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Menonitas no Brasil

Mennoniten in Brasilien

   Nachrichten und Mennonitische Geschichte 

13.04.2026


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Editor: Udo Siemens

Nova edição: segundas, às 13 hs

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David Nikkel, Peter Klassen und H.H.Löwen.


      Die ersten 2 Leiter, die am Krauel scheiterten, waren Heinrich Martins und dann Prediger Peter Klassen. Klassen war freundlich und flexibel. Darum wohl auch musste H.H.Löwen als Geschäftsführer um so entschiedener vorgehen.

      Als dann David Nikkel kam - der Untergang der Kolonie war schon eindeutig - brauchte es einen Mann mit seiner Entschiedenheit und unendlichen Ausdauer. Es war trotzdem nicht genug.

      Was wir heute lesen:
     "Auf allen Gebieten ist unsere Geschlossenheit brüchig, alle Bindungen werden gesprengt.... Es gibt da einige eigenwillige Menschen, die zurechtgestaucht gehören... Unsere Geduld hier ist zu Ende... Den armen Nikkel fressen sie fast auf. Trotz aller lauten Frömmigkeit."

B.H.Unruh Urteil: "Unsere Menschen sind so sehr leicht bereit, ihren eigenen Brüdern die Ehre abzuschneiden, was mich schon in der Jugend heillos empört hat. Man stehle mir die Pferde, die Ferkel und die Unterhosen, aber doch nicht den guten Namen."


Die Mennoniten Brasiliens sterben aus

Ihre Geschichte aber bleibt.
Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.
Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!


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Die Mennoniten Brasiliens sterben aus

Ihre Geschichte aber bleibt.

Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.

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Teil 11

     

      Hiermit schliesse ich vorläufig diese Reihe. 

      In der kommenden Ausgabe beginne ich eine Serie mit der Wiedergabe eines Textes aus dem Boten, von Walter Quiring, über die Mennoniten Brasiliens in den dreissiger Jahren.

Deutsche Siedlungsgemeinschaft Witmarsum (DSGW)

      Es ging in dem erklärten "Neuen Kurs" oder der "Neuen Ordnung", wie es manchmal auch hieß, eindeutig darum, die Kräfte der Gemeinschaft zu mobilisieren und die Siedlung vor der drohenden Katastrophe, auseinanderzubrechen, zu bewahren. Das sollte die Zentralisierung der Kräfte, und das sollte der starke Mann an der Spitze bewirken. "Ich hoffe, daß er die Siedlung aus manchen Zwiespältigkeiten herausführen wird", schrieb B.H. Unruh mit Bezug auf Nikkel. "Vielleicht gelingt es ihm, die großen Differenzen und Spannungen zwischen den Gruppen und Personen in der brasilianischen Ansiedlung etwas zu mildern oder gar auszugleichen" (2.3.37). Es war nicht einfach, für das große Vorhaben und die angefachten Erwartungen nun eine Form zu finden; denn es ging um nichts weniger als um eine handlungsfähige kommunale Verwaltung, die in dieser erwünschten autonomen Form in Brasilien eigentlich nicht zugelassen war.

     Man erfand einen neuen Namen: "Deutsche Siedlungsgemeinschaft", der zwecks Ortsbestimmung mit "Witmarsum" ergänzt wurde, also DSGW. Am 13. Februar 1937 wurden die Siedler zu einer ersten "ordentlichen Siedlerversammlung" in die Waldheimer Schule geladen. 129 Siedler waren erschienen. Es ging darum, die Vorlage eines Statutes für die DSGW zu diskutieren und abzustimmen. Der Siedlungsleiter legte zu Beginn Zweck und Ziel der Versammlung in drei Punkten vor.

      "1. Der erfolgreiche Aufbau unserer Siedlung ist vorwiegend von unserer inneren Einstellung zur Siedlung abhängig und von der Erkenntnis, daß dieser Ort uns von Gott geschenkt ist.

      2. Die Notwendigkeit einer lebensfähigen bürgerlichen Organisation, die wirksam die Interessen der Siedlung vertritt.

      3. Erhaltung unserer Siedlung als deutschen Splitter und Schaffung guter Beziehungen zu unserem Mutterland Deutschland, Herrn Prof. B.H. Unruh, dem holländischen Komitee und der Direktion der HKG."

     An einer andern Stelle brachte Nikkel dieses Ziel in einer optimistischen Formulierung zum Ausdruck: "Sieben Jahre Urwaldwirtschaft hat uns wirtschaftlich trotz allem Schweren doch vorwärts gebracht, und das natürlich auch dank der großen Hilfe Deutschlands und unserer holländischen Brüder. Es wird auch in Zukunft vorwärts gehen, nur viel zielsicherer sollten wir werden, d.h. bewußter zusammenstehen und immer Verantwortung füreinander fühlen. Wenn erst jeder Kolonist erkennt: Es hängt viel auch von mir ab, von meinem Tun und meinem Verhalten und Einfluß, um gemeinschaftlich zu erstarken, kulturell auf die Höhe zu kommen und vor allem als deutscher Splitter gesund zu bleiben, dann ist fast alles gewonnen. Dann sind wir auf dem richtigen Weg, und dann besteht keinerlei Anlaß zu Sorgen irgendwelcher Art" (nach einem undatierten Protokoll 1937).

      Es fällt auf, daß in der neuen Zielsetzung das mennonitische Element nicht erwähnt wird, wie das sehr stark noch im Statut der "Vereinigung" der Fall gewesen war. Der Grund dafür mag in der Absicht gelegen haben, die Organisation der Siedlungsverwaltung von der kirchlichen zu trennen, wie von vielen Seiten her angeraten worden war. Auf der Sitzung am 13. Februar wurden nun die Satzungen vorgelegt, die von der Verwaltung und dem Aufsichtsrat der Genossenschaft im Beisein von Dr. Walter Quiring am 28. Januar 1937 entworfen worden waren. Die Vorlage wurde Punkt für Punkt diskutiert und mit einigen Veränderungen als "Statut der DSGW" abgestimmt und mit 96 Stimmen gegen eine angenommen. Das Statut liegt im Archiv von Witmarsum in Paraná vor, und es trägt 149 Unterschriften.

      Seinem Wesen nach entspricht es den Vorstellungen von einer selbstverwaltenden Mennonitenkolonie nach rußländischem Muster. Alle gemeinschaftlichen Einrichtungen des wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebens sind der Siedlungsverwaltung unterstellt. Mitglied darf jeder rußlanddeutsche Flüchtling, der innerhalb oder außerhalb der Siedlung wohnt, werden. Auch nichtmennonitische Deutsche, die innerhalb der Siedlung wohnen, können der Siedlungsgemeinschaft beitreten, wenn sie sich den Ordnungen fügen wollen. Die Verwaltung ist so organisiert, daß die Dorfgemeinschaften ihre Schulzenämter, die Betriebe ihre Leiter und die sozialen Einrichtungen ihre Vorstände haben. Alles untersteht dem Siedlungsleiter, alles wird von einer Revisionskommission (Aufsichtsrat) kontrolliert. Beschlußfassende Kraft hat die Mitgliederversammlung.

      Diesem ersten Erfolg Nikkels, die Siedlerstimmen auf einen gemeinsamen Plan zu einigen, stellten sich bald zwei Hindernisse in den Weg. Das eine war interner Art. Das neue Siedlungsstatut sollte mit dem schon bestehenden und rechtlich anerkannten Statut der SCW in Einklang gebracht werden, d.h., laut Beschluß der Versammlung sollte das Statut der SCW dem Statut der DSGW angepaßt und entsprechend geändert werden. Das Ziel dabei war noch umfassender: alle Einrichtungen der Siedlung, einschließlich der Genossenschaft, sollten so der Siedlungsleitung - manchmal heißt es "dem Oberschulzen" - unterstellt werden. Diese Absicht barg den Keim neuer Spannungen in sich. Die zweite Schwierigkeit lag in der Legalisierung der "Neuen Ordnung". Die Verwaltung hatte beschlossen, die neuen Satzungen Herrn Meckien von der HKG und einem Rechtsanwalt vorzulegen, um sie dann gesetzlich anerkennen zu lassen.

     Ein halbes Jahr später brach dieser sich abzeichnende Konflikt bereits auf. Das neue Statut konnte nicht anerkannt und das der SCW nicht geändert werden, und das führte zu einem schweren Kompetenzstreit. Doch auf der Sitzung am 25. September 1937 zeigte sich der Siedlungsleiter noch optimistisch. "Er bedauert lebhaft die Müdigkeit eines Teils unserer Siedler im Kampf um die Gemeinschaft", heißt es im Protokoll. "Es sei jedoch festzustellen, daß der Großteil unserer Bauern heute bewußter das Gemeinwohl anstrebe... Dreiviertel Jahr Umordnung unserer Siedlungsverwaltung habe bei aller zutage getretenen Fehlerhaftigkeit doch ganz positive Erfolge gebracht, vor allem in der Denkart eines Großteils der Siedler, die weniger ichhaft werde..." Doch dann folgt Kritik: "Es hätte viel mehr erreicht werden können, wenn wir weniger ichhaft, weniger parteiisch, weniger boshaft und auch weniger furchtsam, dagegen aber der inneren Stimme gehorsam gewesen wären. Alle Hetze und Verleumdung, die bisher unsagbar die Arbeit erschwerte, muß abgebaut werden. Was zu kritisieren, zu rügen und zu strafen ist, müsse offen und sachlich geschehen."

      Das Feld der Auseinandersetzungen hatte sich bereits deutlich abgezeichnet. Rivalitäten Heinrich H. Löwen wurde zum Leiter der Genossenschaft (SCW) schon 1931, kurz nach ihrer Gründung, berufen. Er wechselte deshalb seinen Wohnsitz von Auhagen nach Witmarsum. Daß er die wirtschaftlichen Belange der Siedlungen gut vertrat, wird in den Dokumenten immer wieder bescheinigt. Damals setzte der bereits beschriebene Machtkampf zwischen ihm und Heinrich Martins ein, der schließlich damit endigte, daß Martins die Siedlung verließ. Peter Klassen begnügte sich dann mit der "Vertretung der Siedlung nach außen", und Löwen führte die Geschäfte. Es ist eindeutig, daß die Komitees in Europa Partei für Heinrich Martins gegen Heinrich H. Löwen ergriffen, und mit dieser Einstellung ist wahrscheinlich auch Dr. Walter Quiring 1936 nach Brasilien gekommen.

     Nach seiner zeitgenössischen Darstellung hatte H.H.Löwen seine Position zu einer wirtschaftlichen Machtstellung ausgebaut. "Denn die wirtschaftlichen Macht- und Druckmittel sind, sofern man sich ihrer bedienen will, auf einer bettelarmen Urwaldsiedlung die wirksamsten", heißt es in Quirings Entwurf. Daraus habe sich der Machtkampf zwischen Löwen und Martins entfaltet, aus dem Löwen schließlich als Sieger hervorgegangen sei.

      Worin lag nun das eigentliche Problem, mit dem es auch David Nikkel bald nach seinem Amtsantritt zu tun bekam und das dann das Jahr 1937 mit harten Auseinandersetzungen füllte? Benjamin H. Unruh schrieb Mitte 1937 ein Memorandum, das er auch dem HDEB in Rotterdam zuschickte. Es heißt darin: "Heinrich H. Löwen hat eine Diktatur der Sociedade durchgeführt und sowohl die Schulzenämter als auch das Amt des Siedlungsleiters zum Schattendasein verurteilt." Walter Quiring präzisiert diesen Vorwurf etwa um die gleiche Zeit: "Ganz bewußt versucht die Verwaltung (der SCW), die Siedler daran zu gewöhnen, allein in der Wirtschaft den Zweck ihres Daseins zu sehen und alle andern Belange, die geistig-kulturellen und die völkischen, gering zu schätzen. Die Kolonisten werden sachte dahin geführt, zufrieden zu sein, wenn sie die Genossenschaft mit den allernotwendigsten Waren versorgt, wenn sie ihnen die Milch abkauft und für sie Bretter sägen läßt."

      Leider liegen keine dokumentarischen Gegenbeweise vor, in denen sich Löwen gegen diese extremen Vorwürfe verteidigt. Tatsache jedenfalls ist, daß zwischen dem neuen Siedlungsleiter David Nikkel und dem Geschäftsführer Heinrich H. Löwen sehr bald ein Machtkampf ausgetragen wurde, in dem diesmal Löwen unterlag. Es ging dabei eindeutig um den Führungsanspruch. Nach dem "Neuen Kurs" sollte die ganze Siedlung zentral geführt werden, und auch die Genossenschaft sollte ihr unterstellt sein. Der Geschäftsführer der Genossenschaft hatte zwar Entscheidungsfreiheit in geschäftlichen Fragen, doch er sollte dem Siedlungsleiter verantwortlich sein.

      Auf der Suche nach einem Verwaltungssystem gegen diese neue Bestimmung lehnte sich Heinrich H. Löwen auf, und er machte seinem Unwillen in einem Artikel in der "Brücke" Luft: "Ein offenes Wort zum Neuen Kurs." Löwen sieht in der Unterordnung der Genossenschaft unter die Siedlungsleitung einen großen Fehler. "Die landwirtschaftliche Genossenschaft, die aufgrund bestätigter Statuten jahrelang und nicht ohne guten Erfolg gearbeitet hat, dürfte keiner grundsätzlichen Änderung unterliegen. Das ist aber anders geworden. ." Das alles sei schwach fundiert, und die Genossenschaft sei erledigt.

     Die Entscheidung sei auch von Leuten getroffen worden, die "nie Mitglieder der Genossenschaft gewesen, solchen, die aus der Genossenschaft ausgeschieden, ja selbst von solchen, die wegen ungebührlichen Betragens ausgeschlossen worden seien... Daß es auf diese Weise nicht weitergehen darf, wird jeder, der geschäftlich zu tun gehabt hat, einsehen."

     Durch Löwens Artikel wird auch klar, wo eine wesentliche Ursache der Schwierigkeiten lag. Zur Genossenschaft gehörte nur ein Teil der Siedler, während die Siedlungsleitung bestrebt sein sollte, die ganze Siedlung zu fördern. Daraus ergaben sich Meinungsverschiedenheiten bei der Verwendung des Reingewinns, was Löwen sehr deutlich zum Ausdruck bringt. David Nikkel berichtete der Siedlerversammlung am 3. April 1937 über diese Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Löwen. Es ging einmal um die Anstellung eines Buchhalters und dann um den aggressiven Artikel Löwens in der "Brücke". In beiden Punkten zeigte sich Löwen unbeugsam. Er lehnte den vorgeschlagenen Buchhalter ab und widerrief auch seinen Artikel nicht. Darauf stimmte die Versammlung mit 54 Stimmen von 100 für die sofortige Entlassung von Löwen.

     Als neuer Geschäftsführer wurde Peter Wiens gewählt. In einem Brief an B.H. Unruh detaillierte Nikkel den Vorgang. Die Umordnung sei schwierig gewesen, da man mit der SCW nicht fertig geworden sei. Er habe sich den Vorwürfen ausgesetzt gesehen, daß die "Neue Ordnung" ungesetzlich sei und die SCW deshalb nicht der Siedlungsleitung unterstellt werden könne. Das Ziel sei gewesen, die Siedlungsleitung zu zerschlagen. Daraus seien dann die Konsequenzen gezogen und H.H.Löwen entlassen worden. Doch der Streit sei weitergegangen. Er habe sich schließlich der Forderung der Siedler gebeugt und auch die volle Verantwortung für die SCW übernommen. Es habe geheißen: Entweder wird der Siedlungsleiter wieder zur Strohpuppe, oder er hat auch die Verantwortung für die SCW (10.1.38).

     Der Oberschulze war nun auch Vorsitzender der Genossenschaft, dem ein Geschäftsführer unterstellt war. In der "Brücke" erschien folgende Erklärung: "Die Genossenschaft wurde als Ganzes in die Siedlungsgemeinschaft (DSGW) aufgenommen und die Verwaltung derselben als die eines Zweiges der Siedlungsgemeinschaft der Siedlungsleitung unterstellt. Die Siedlungsleitung mischt sich jedoch nicht in die laufenden Geschäfte... Die Generalversammlung der Genossenschaft wird mit der Bürgerversammlung verschmolzen. Alle Mitglieder der Siedlungsversammlung müssen im Laufe dieses Jahres auch Mitglieder der Genossenschaft werden, um Stimmrecht zu haben."

     Heinrich H. Löwen verließ bald darauf die Siedlung und zog nach Curitiba. Auch die Amtszeit von Peter Wiens, der als Geschäftsführer zugleich auch stellvertretender Siedlungsleiter war, war von kurzer Dauer. Er widersetzte sich der anlaufenden Schuldenzahlung, die über das MCC an die deutsche Reichsregierung getätigt werden sollte. Auf der Sitzung am 19. August 1938 wurde Wiens vor die Entscheidung gestellt, die Frage, ob er seine Meinung ändern wolle, mit Ja oder Nein zu beantworten. Wiens antwortete mit Nein und wurde fristlos entlassen. Die Siedlerversammlung mit 120 Mitgliedern hieß die Entscheidung der Siedlungsleitung mit 12 Gegenstimmen und 6 Enthaltungen gut (s.S.389).

     Geschäftsführer wurde Jakob Fröse, nun auf Beschluß der Versammlung nicht mehr von der Vollversammlung gewählt, sondern von der Siedlungsleitung angestellt. Peter Wiens siedelte nach Curitiba über. Zu einer harten Auseinandersetzung mit dem gleichen tragischen Ausgang kam es 1937 zwischen der Siedlungsleitung und Peter Klassen, dem ehemaligen Siedlungsleiter und Schriftleiter der "Brücke". Der Streit wurde durch Artikel ausgelöst, die Heinrich H. Löwen und Peter Klassen in der "Brücke" veröffentlicht hatten. Die Artikel stellten eine scharfe Kritik an dem "Neuen Kurs", vor allem an der Verschmelzung von Siedlungsgemeinschaft und Genossenschaft, dar.

     Die Siedlungsleitung brachte die Angelegenheit nach vergeblichen Verhandlungen mit dem Schriftleiter vor eine Siedlerversammlung am 24. Juli 1937. Dem Protokoll zufolge nahm die Versammlung nach eingehender Darstellung von David Nikkel, in der er hervorhob, wie er sich vergeblich bemüht habe, Peter Klassen zur loyalen Mitarbeit am Aufbau der Siedlung durch die "Brücke" zu bewegen, mit überwiegender Stimmenmehrheit eine "Entschließung" der Siedlungsleitung an.

       a) Brückebezieher am Krauel das Blatt sofort abbestellen,

       b) niemand in Witmarsum mehr Aufsätze für die Brücke schreibt,

       c) der Herausgeber der Brücke den halben Preis für 1937 an die Bezieher zurückzuerstatten hat und

       d) diese Entschließung allen zuständigen mennonitischen Stellen mitzuteilen ist."

      Nikkel hatte sich an das HDEB in Holland gewandt, das die Herausgabe der "Brücke" finanziell gefördert hatte (20.6.37). Pastor Gorter antwortete darauf, daß sie der Auffassung gewesen seien, daß die "Brücke" ein Siedlungs- und kein Privatblatt sei. Aus diesem Grunde hätten sie "ziemlich große Summen" beigesteuert. Er habe Herrn Klassen geschrieben, daß er sich den Wünschen des Siedlungsleiters unterwerfen solle. Es sei ein Opfer, daß er zu bringen habe. "Ich meine jetzt", schreibt er an Nikkel, "daß Sie hier eingreifen müssen, weil es besser ist, kein Blatt, als ein einseitiges zu haben. Es scheint mir notwendig, daß Herr Klassen sich Ihrer Leitung fügt - oder die Redaktion aufgibt" (15.7.37).

     Auf einer Sitzung der Verwaltung am 2. August 1937 fiel dann die Entscheidung. Alle Verhandlungen mit Peter Klassen waren nach der zusammenfassenden Darstellung des Siedlungsleiters gescheitert. Von einem "Willen zur Einordnung könne keine Rede sein." Peter Klassen wurde als Schriftleiter der "Brücke" abgelehnt, und er verlor auch seinen Posten als Lehrer an der Realschule in Witmarsum. An P.C.Hiebert vom MCC in den USA schrieb Nikkel: "Gott weiß, wie gerne ich der Auseinandersetzung mit Peter Klassen aus dem Wege gegangen wäre, das war jedoch gar nicht möglich bei seiner Einstellung" (22.10.37).

     Leider liegt in den auffindbaren Akten keine Stellungnahme Peter Klassens vor, in der er seinen Standpunkt vertritt. Er verließ mit seiner Familie Witmarsum und zog nach Curitiba.

 

Gemeinschaftssinn und Individualismus

 

     Der "Neue Kurs", der die Stabilisierung des Gemeinwesens zum Ziel hatte, fand in immer neuen Appellen des Siedlungsleiters an den Gemeinschaftssinn mit der Aufforderung, sich einzuordnen, die eigenen Interessen zurückzustellen, seinen Ausdruck. Wie schwierig es war, diesen Kurs zu steuern, wird an den Klagen über Widerstand, Hetze, Verleumdung und Klatsch deutlich, die aus den Protokollen und der Korrespondenz nicht mehr verschwinden. Es handelt sich nachweislich um eine ausgeprägte gesellschaftliche Konfliktsituation.

     Nach R. Herbert Minnich wurde dieser Konflikt unter den Siedlern in der Form ausgetragen, daß sich die einen auf eine immer stärkere Machtkonzentration in der Führung festlegten, wobei ihnen das rußländische Kolonisationsmuster vorschwebte, während die andern sich von einem Hang zum Individualismus und zur persönlichen Entscheidungsfreiheit leiten ließen. Minnich formuliert: "Zwei Faktoren treten in der angestrebten Selbstverwaltung in Erscheinung:

     1. Der Mangel an bürgerlicher Macht, ohne welche die Leiter niemand zwingen konnten, die Mehrheitsbeschlüsse einzuhalten und

     2. eine wachsende Minderheit, die die Gruppenorientierung zugunsten einer demokratisch-individualistischen Haltung ablehnten. Diese Personen wollten in ihrem privaten Leben ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich nur den legalen brasilianischen Institutionen unterordnen. Die mehr konservativen Mitglieder der Siedlung hielten diese Einstellung für revolutionär."

     Diese Zwiespältigkeit kommt auch - zum Teil jedenfalls - in den rivalisierenden Auseinandersetzungen zwischen den führenden Persönlichkeiten, die in diesem Abschnitt behandelt wurden, zum Ausdruck. Sowohl Heinrich H. Löwen als auch Peter Klassen widersetzten sich einer nach ihrer Meinung zu starken Machtkonzentration bei der Siedlungsleitung, was auf der andern Seite dann als "anarchistische Haltung" gebrandmarkt wurde. Der Widerstand und die Auflehnung der "demokratisch-individualistischen" Bürger und Gruppen - wie Minnich sie nennt - gegen die Siedlungsleitung läßt sich, von deren Standpunkt her, schwer erfassen; denn sie sind schriftlich kaum niedergelegt worden. Sie sind nur aus der Reaktion der Siedlungsleitung abzuleiten.

     Diese Reaktion äußerte sich in immer neuen Aufforderungen zur Einmütigkeit und Einordnung, in strengen Anweisungen und dann auch in Klagen über den unhaltbaren Zustand und den drohenden Zerfall der Siedlungsgemeinschaft. Die Siedlerversammlung am 3. April 1937, eine der ersten nach dem "Neuen Kurs", eröffnete David Nikkel mit dem Wunsch, "daß diese Versammlung uns einen Schritt weiter auf dem Weg zur Verantwortungsbewußtheit bringen möchte; denn unsere Verantwortungslosigkeit ist mit ein Grund für die gegenwärtige Lage der Siedlung. Das Verantwortungsbewußtsein müsse sich auch kundtun in einem Willen zur unbedingten Ordnung", heißt es im Protokoll. Auf der gleichen Sitzung wurde ein Treueversprechen formuliert, das mit 52 Stimmen gegen 12 angenommen wurde: "Wir erklären hiermit, daß wir uns verpflichtet halten, positive Arbeit für die Siedlung zu tun und selbige innerhalb von fünf Jahren nicht zu verlassen. Wenn zwingende Gründe uns veranlassen, dieselbe doch zu verlassen, verpflichten wir uns, unsere Kolonie nur an Kolonisten zu verkaufen."

     Sechs Jahre später, am 5. Dezember 1942, hielt die Siedlungsleitung ein erneutes Versprechen für notwendig: "Bei drei Stimmenthaltungen erklärt die Versammlung einstimmig, in Zukunft aktiv in allen Siedlungsangelegenheiten mitzuarbeiten, die Ordnung auf der Siedlung nach Kräften zu stützen und damit den Siedlungsleiter zu entlasten." Die Anweisungen der Siedlungsleitung waren oft scharf und drohend, die Beschlüsse hart. In einer Einladung zur außerordentlichen General- und Siedlerversammlung (19.8.38) heißt es: "Ich lade alle Siedler ohne Ausnahme dringend ein. Die Namen der verheirateten Männer, die dieser wichtigen Versammlung fernbleiben, werden nach Deutschland gemeldet."

     Es ging um das Verlesen von Briefen von Prof. Unruh aus Deutschland und Stellungnahme dazu. In einen. Protokoll der Siedlungsverwaltung vom 7. Februar 1939 heißt es: "Ferner beschloß die Sitzung, in Zukunft jeden Bürger, der sich irgendwelche ordnungswidrige Handlungsweise zuschulden kommen läßt, zuerst auf Verwaltungsitzungen, und falls das nicht genügt, auf Siedlerversammlungen zur Rechenschaft zu ziehen." Der Beschluß war eine Reaktion auf die Mutlosigkeit des Siedlungsleiters, der wegen der "wüsten Hetze gegen ihn" sein Amt niederlegen wollte. "Es ist ihm trotz aller Bemühungen, der Siedlung offen und ehrlich mit bestem Wissen und Können zu dienen, nicht gelungen, den guten Willen der Siedler zu mobilisieren."

     Den Zerfall spürte man in der unglücklichen Siedlung Auhagen, die sich in ihrer Abgelegenheit vernachlässigt fühlte, sich andererseits einer zentralen Führung aber nicht unterstellen wollte, am stärksten. Der dortige Siedlungsleiter Franz Enns schrieb, nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, an David Nikkel: "Ich will in diesem Jahr einmal ganz beiseite stehen und zusehen, wie andere es besser machen werden, um Ordnung in unserer zerrütteten Gemeinschaft zu schaffen" (12.11.40).

     Auf einer Mitgliederversammlung auf dem Stoltz-Plateau, fünf Jahre später (29.11.45), auf der auch der Siedlungsleiter David Nikkel zugegen war, weigerten sich die Siedler, einen Schulzen zu wählen. Die Witmarsumer Verwaltung möge sich nicht in ihre Angelegenheiten mischen. Schließlich einigte man sich auf Zureden Nikkels, einen Vertreter zu wählen, der die Verbindung zur Krauelsiedlung aufrecht erhalten sollte. Die Siedlung war am Zerfall.

     Auf einer allgemeinen Siedlerversammlung am 16. November 1940 sagte Nikkel resignierend: "Auf allen Gebieten ist unsere Geschlossenheit brüchig, alle Bindungen werden gesprengt", und er meint damit den Widerstand gegen den eingeschlagenen Kurs. B.H. Unruh schrieb in einem Bericht an die Mennoniten-Komitees: "Ich habe der Opposition in Brasilien, die gegen alle geht (auch gegen das MCC) gesagt, daß ich nicht willens bin, sie weiter zu vertreten, wenn sie nicht Ruhe halten. Es gibt da einige eigenwillige Menschen, die zurechtgestaucht gehören... Unsere Geduld hier ist zu Ende... Den armen Nikkel fressen sie fast auf. Trotz aller lauten Frömmigkeit" (12.3.40).

     Die Komitees in Europa und Nordamerika waren die Klagemauer. Ihnen gegenüber fühlte sich die Siedlungsleitung verantwortlich, und dort beklagte sie sich über die Zustände in der Siedlung. Prof. Unruh, der alles immer auch im Spiegel seines geliebten und umkämpften Mennonitentums sah, reagierte böse: "Unsere Menschen sind so sehr leicht bereit, ihren eigenen Brüdern die Ehre abzuschneiden, was mich schon in der Jugend heillos empört hat. Man stehle mir die Pferde, die Ferkel und die Unterhosen, aber doch nicht den guten Namen. Mennonitenhände und Mennonitenzungen greifen aber immer wieder diabolisch gerade nach der Ehre des Menschen... Wir sind es in Europa ebenfalls müde, alle paar Monate Berichte zu empfangen, daß unerhörte Gaunereien vorgefallen seien, und wenn es sich um zerbrochene Fensterscheiben oder ein Döschen Honig handelt... Das Gemeindeprinzip unserer Väter, die Ablehnung der staatlichen Gesetze, wird zum Deckmantel der Bosheit gemacht. Man muß jeden Verleumder ganz erbarmungslos den Gerichten ausliefern, wenn er sich nicht unbedingt wandelt... Sonst haben wir die Hölle auf Erden." So schrieb Unruh an die Siedlungsleiter Nikkel (27.1.38).

    Aus der historischen Ferne muß man den ungeheuren Kraftaufwand bewundern, der von der gewählten Siedlungsleitung an den Tag gelegt wurde, um einen gesellschaftlichen Zustand zu erhalten, wie er noch vielen in Brasilien und Europa vorschwebte. Dabei waren, wie Minnich zwanzig Jahre später feststellte, Entwicklungserscheinungen im Gange, die strukturverändernd wirkten und sich nicht mehr eindämmen ließen.

 

Ursachen und Hintergründe für den Streit

       Am Ende dieses Kapitels über die Suche nach einem Verwaltungssystems für die Mennonitensiedlungen in Santa Catarina bleibt der Eindruck, daß ein heftiger, aufreibender und dann letztlich doch erfolgloser Kampf geführt worden ist. Dabei ist die vorliegende Darstellung sehr vordergründig, indem das aufgrund der Unterlagen geschildert wurde, was sich auf der Bühne der Auseinandersetzungen abspielte. Um aber zum vollen Verständnis der offensichtlich sehr schwierigen Situation zu gelangen, muß auf einige weitere Ursachen und Hintergründe hingewiesen werden, die sehr oft zum Auslöser der Spannungen wurden. Sie sollen hier nur andeutungsweise erwähnt werden, da sie in weiteren Abschnitten dieser Abhandlung noch eingehend untersucht werden.

     Ein hin und wieder bereits genannter Faktor, der Anlaß zu Auseinandersetzungen gab, war die Schuldenzahlung. Die Siedler waren völlig mittellos aus Rußland geflüchtet und dann nach Brasilien befördert worden. Durch Vermittlung des unermüdlichen Professors B.H. Unruh in Karlsruhe waren von der deutschen Reichsregierung Darlehen zur Deckung der Überseereisekosten und für die Verpflegung bis zur ersten Ernte bewilligt worden. Für die Rückzahlung hatte Unruh zusammen mit dem MCC in Nordamerika garantiert. Außerdem hatte die HKG das Land ohne eine Anzahlung zur Verfügung gestellt. Die Kaufverträge waren von den Siedlern einzeln, jeder für seine Kolonie, unterschrieben worden. Alle Rückzahlungsverpflichtungen liefen ziemlich genau mit dem Amtsantritt David Nikkels an.

     Die wirtschaftliche Situation der Siedler war nach sechs, sieben und auch mehr Jahren noch so schwach, daß die Einnahmen kaum für das tägliche Brot reichten. Der Siedlungsleiter sah sich in der unglücklichen Lage, auf die Schuldner Druck auszuüben, da er in Vertretung für alle zu verhandeln hatte. Der Druck brachte ihm Gegnerschaft ein.

     Ein weiterer Umstand, der zu den heftigsten internen Auseinandersetzungen führte, war die Abwanderung. Schon fast seit Beginn der Ansiedlung suchten Siedler ihre wirtschaftliche Lage durch Veränderung zu verbessern. Bald machte sich ein starker Trend zur Übersiedlung nach Curitiba im Staate Paraná bemerkbar, wo man in den Vororten kleine Milchfarmen einrichtete und ein sicheres Einkommen hatte.

      Die Abwanderung erwies sich als der stärkste Einbruch in die Geschlossenheit der Siedlungen. Einmal erschwerte sie die Schuldenzahlung, weil manche Abwanderer sich nicht um die Kollektivschulden kümmerten, zum andern verkauften sie ihre Kolonien oft an Nichtmennoniten, was einen Einbruch in das Gemeinschaftsgefüge bedeutete. Die wiederholten Treueversprechen schlossen auch die Bereitschaft ein, auf der Siedlung zu bleiben und die Schulden zu bezahlen. Die Last der Siedlungsleitung war es, dafür einzustehen.

     Einen besonderen Faktor, der das Amt des Siedlungleiters erschwerte, erwähnt Walter Quiring in seinem Entwurf. Danach waren die meisten Prediger der Gemeinden mit dem "Neuen Kurs" nicht einverstanden. Quiring vermerkt das nur und meint, daß "gerade sie als erste die Verderblichkeit des glücklich überwundenen Zustandes hätten erkennen und eine Bereinigung anstreben müssen", er gibt jedoch keine Gründe dafür an, warum das nicht geschah.

      In späteren Ausführungen wird darauf Bezug genommen, wie einzelne Prediger in harte Opposition zur Siedlungsleitung gerieten und wie vor allem die Reibungsflächen zwischen den Gemeinden auch die Spannungen in der ganzen Siedlung verschärften und deren Ausgang sogar maßgebend mitbestimmten.

      Hierzu kam der seit 1938 in ganz Brasilien mit aller Schärfe durchgeführte Nationalisierungsprozeß. Die Maßnahmen der Regierung standen dem gesteckten Ziel der Siedlungsleitung, einen "deutschen Splitter", wie es oft hieß, in seiner traditionellen mennonitischen Eigenart zu erhalten, diametral entgegen. Die Schließung der Privatschulen traf die interne Siedlungs- und Kulturpolitik direkt ins Herz, und alles hatte wieder starke und nachhaltige Auswirkungen auf die Gesamtsituation der Selbstverwaltung.

      Unter diesen hier zusammenfassend dargestellten Umständen ist es verständlich, daß sich der Siedlungsleiter David Nikkel nur unter starkem Druck und wohl doch immer noch getrieben von einem starken Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft von Jahr zu Jahr neu wählen ließ. Im Protokoll vom 5. Dezember 1942 heißt es in Punkt 5: "Übergehend zur Wahl des Siedlungsleiters erklärt der Vorsitzende, daß er unter keinen Umständen seine Kandidatur für die Wahl gelten lasse, und er begründet diesen Standpunkt mit der sechsjährigen Dienstzeit und der daraus folgenden Ermüdung. Nach längerer Aussprache, in der sich die Versammlung immer wieder auf den Standpunkt stellt, eine Umwahl des Siedlungsleiters gegenwärtig nicht verantworten zu können, erklärt der Vorsitzende, daß er freiwillig unter keinen Umständen weiter arbeiten werde, sich jedoch einem Beschluß der Versammlung, noch ein Jahr den Posten des Siedlungsleiters zu bekleiden, unterwerfen werde."

      David Nikkel wird dann einstimmig bei vier Stimmenthaltungen für das Jahr 1943 als Siedlungsleiter wiedergewählt, verbunden mit dem Versprechen der Siedler, mitzuarbeiten und auf der Siedlung Ordnung zu halten. So ging es Jahr für Jahr.

     Am 29. September 1946 heißt es im Protokoll: "David Nikkel berichtet über die Siedlungsarbeit. Sie war schwer und fast nicht zu tragen. Nach zehnjähriger Arbeit will er die Arbeit niederlegen. Die Versammlung protestiert allgemein dagegen." Nikkel blieb dann noch zwei Jahre, bis einschließlich 1948, im Amt.

     Dann wurde er von Peter Pauls abgelöst, der die Siedlung bis zu ihrer Auflösung leitete. Er blieb auch im neuen Witmarsum in Paraná bis 1968 auf diesem Posten.

          

 

   

Fortsetzung folgt​​​

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