Menonitas no Brasil

Mennoniten in Brasilien

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25/12/2021

 

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Brasilianische Weihnachten
Eigentlich ist es so: die meisten bleiben zu Hause, um Kinder und Enkel am Heiligen Abend mitzuerleben, am 25. der Weihnachtsgottesdienst und die Familientreffen. Bald danach aber begibt man sich zum Strand, sehr viele noch vor dem Neujahr.

 

 

Contato: 

menonitasnobrasil@gmail.com

whatsapp: (43) 99990 1023

Editor: Udo Siemens

Nova edição: sábados, às 13 hs

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                                    Todesanzeigen


3. Hartmut Dueck: "Hoje a minha querida cunhada, Agathe Dueck (83 anos, esposa do meu irmão mais velho, Egon) partiu para a eternidade. Uma pessoa muito querida e amável. Vai deixar boas lembranças e um grande legado. Agora ela está desfrutando do seu Senhor a quem ela serviu a vida toda. Descanse em paz."
Culto de despedida no youtube.

2. 
Hoje a tarde (03/01/22) faleceu nossa tia Nina Friesen( Antônia Friesen). Ela faria 89 anos dia 22/01. Deixa sua filha Cristine Friesen e neto Lucas. Na foto está Tio Borig ( Bernhard Friesen) e nossa mãe Katarina Tissen ( in memoriam). Regina Tissen Kroeger

1. Es hat dem Herrn gefallen heute (01.01.22) Ronald Winter, Curitiba, Sohn von Schwester Gredel Winter, zu sich in die Ewigkeit zu rufen.
In Johannes 14.27 lesen wir: "Frieden hinterlasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch; euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!"
Wir wünschen der Mutter Gredel und Ronalds Brüder Arno, Paul und Klaus Winter Gottes Trost und Frieden!
Igreja da Cruz Verde

In eigener Sache

 Die letzte Ausgabe

              

dieses Jahres. Nun gehe ich in Ferien und hoffe, so Gott will, im Februar diese Arbeit wieder aufzunehmen.

    Zum Abschied biete ich einen Rückblick von Themen, besonders dieses Jahres. Das bedeutendste war die Veröffentlichung der Autobiographie von Wilhelm Hübert. Sie kann hier nachgelesen werden. Eine Auswahl von Themen habe ich unten aufgelistet. Ich wünsche allen gesegnete Weihnachten, ein neues Jahr mit dem Herrn und eine erholsame Ferienzeit!

  Euer Udo Siemens

 
 

Das Jahr 2021

Mennonitische Biographien 

       - David und Katharina UnruhHier

       - Katharina Goossen, die Zurechtmacherin der Mennoniten CuritibasHier

       - Irmgard Löwen. Der lange Weg ihrer SelbstfindungHier

Tod und Todesgedenken

      - Valter Penner, mein FreundHier

      - Zum Tode meines Schwagers João Geraldo WielerHier

      - Otto, mein BruderHier

      - Zum Tode von Elisabeth Töws, unsere DichterinHier

      - In fünf Minuten der Tod. Was tut man dann?Hier

      - Des eigenen Todes gedenkenHier

 

Der Christ und die Politik:  Hier

       - O cristão neste 7 de setembro;

      - Der Christ und die Politik;

      - Die Aufteilung des (politischen) Kuchens

Wir brasilianische Mennoniten:  Hier

        - Wo ist die erste Ausgabe 1959 von Bibel und Pflug?

        - Die Gemeindelosen Witmarsums

        - Ein überraschender Fund

        - Ein misslungener Umsiedlungsversuch

        - Der Auszug unserer Väter

        - Beim Auszug waren alle gleich arm, aber bei der Weiterwanderung nach Brasilien ...

Verschiedene Themen: 

       - Das Alter hat etwas sehr Befreiendes   Hier

       - Denn es ist besser, mit den eigenen Augen zu sehen als mit Fremden  Hier

       - Gemeindearbeit in der Pandemie   Hier

      - Elisabeth Peters, Ctba - eine Lebensgeschichte  Hier

Familienporträts

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Familie Johann und Aganetha Klassen

Foto wohl aus dem Jahr 1960

(Die Zahlen vor den Namen deuten auf die Reihenfolge der Geburt)

Erste Reihe: von links nach rechts 1. Reihe: (1S)Francisco Wiens, (4S)Alfredo Koop, (1S)Pedro Wiens, (3T)Huldi Klassen, (3T)Elfriede Klassen, (4T)Ruth u. (4T)Irmgard Koop; 

2. Reihe von links: Oma Wiens, die Mutter von João Wiens,

Die Ahnen Aganetha und Johann Klassen

Heinrich und Susana Kasper, gute Freunde

3.Reihe: (1M)João Wiens, (3T)Anelise Klassen, (4T)Elizabeth u. (4T)Marlene Koop, (1)Liese Wiens, (3F)Anna Klassen, (4)Margarida Koop;    

4.Reihe: (3)João Klassen, (1S)Ernesto, (1S)Henrique u. (1S)João Wiens (Buba)

Letzte Reihe: (4M)João Koop (4T)Úrsula, (1S)Paulo Wiens, (2S)Hans Heini Berg, Sohn der verstorbenen Tochter (2)Neta

Johann und Aganetha (Krahn) Klassen

      Sie feierten ihre Goldene Hochzeit am 16.09.1961, Xaxim, Curitiba. Diesbezüglich erschien ein Text über sie in einer nordamerikanischen Zeitung der Mennoniten. Daraus entnehme ich einige Informationen:

    „Der Herr ist immer treu gewesen und hat stets geholfen!“

     Beide sind in Steinfeld, Ukraine geboren. 1910 wurden sie auf das Bekenntnis ihres Glaubens getauft. Sie heirateten am 13.09.1911. Johann Klassen hat im 1. Weltkrieg als Sanitäter gedient. Sie wanderten 1929 nach Brasilien aus, wo sie 1936 am Krauel ihre Silberhochzeit feierten. Dort wurde er zum Diakon gewählt und 1947 in Boqueirão ordiniert. Am Krauel starben ihnen zwei erwachsene Kinder.

    Die Enkelin Huldi Klassen ergänzte weitere Informationen:

    „Opa diente als Diakon, ich erinnere mich aber nicht daran, ihn mal öffentlich sprechen gehört zu haben. Wahrscheinlich auch weil wir verschiedenen Gemeinden angehörten. Ich weiß aber, dass er viel Gutes tat. Viele suchten seine Hilfe und seinen Rat, weil er sich als Laientierarzt betätigte. Er liebte Pferde. Meiner Erinnerung nach war Oma eine energische Frau, Opa dagegen sehr freundlich und entgegenkommend.

     Wenn ich aus der Schule kam - sie wohnten ganz in der Nähe der Schule -, dann hatte Oma immer ein Stückchen Schokolade bereit. Wenn ich mal zum Nachmittagskaffee da war, streichte Oma mir ein Butterbrot und der Opa sagte dann: „Tu noch ein bisschen mehr Butter drauf!“

    Opa war ein weiser und gelehrter Mann, alles selbst gelesen und gelernt. Als Veterinär wurde er weit und breit geachtet. Er strahlte viel Gütigkeit aus. Er hatte viel Geduld und unterhielt sich gern mit uns Enkelkindern. Er erzählte gern über den Krieg und über Russland.“

     Mein Schwager Manfred Unruh machte mich darauf aufmerksam, dass es im Buch "Pioniere" von Peter Pauls einen Bericht von Grete Klassen Koop gibt, wo sie folgendes über ihren Vater erzählt: "In Russland hatte Vater 36 Pferde, Pferde für Kutsche und Wagen, für Pflug und Dreschmaschine. Vaters Bruder erntete viele Trauben und machte Wein. Er ließ sich jedes Jahr an die tausend Weinstecklinge aus Frankreich kommen."

     Das heißt, die Klassens gehörten zu den wohlhabenden Mennoniten in Russland. Sie hatten z.B. Pferde, die ausschließlich für die Fahrt zur Kirche und Spazierfahrten dienten, andere um die Dreschmaschine zu ziehen usw. Und "Stecklinge aus Frankreich": ein höchst kostspieliger Aufwand, um immer besseren Wein herstellen zu können.  

    Das gibt einen guten Einblick darüber, was für riesengroße Umstellung es bedeutet haben muss, sich auf das bitterarme Leben am Kraul umzustellen.

    Der Enkelsohn, Hans Heini Baerg, heute in Kanada, wuchs nach dem Tod seiner Mutter bei ihnen auf. Er schreibt:

     "Opa war ein fleißiger Schüler der Bibel, er liebte die Geschichten des Alten Testaments und der Psalmen. Sein Ruf zum Dienst war eindeutig die Diakonenarbeit. Mit seiner Frau hat er viele Kranken besucht. Die Vorbereitung des Abendmahltisches am 1.Sonntag des Monats war oft seine Aufgabe.

    Wenn Opa mittwochs das Gebet in der Kirche leitete, war es sehr bedeutungsvoll für mich, weil er nicht predigte, er las eine Bibelgeschichte, gab eine Erklärung so wie eine kurze persönliche Erfahrung und rief die Gemeinde zum Gebet auf, darauf folgten viele Gebete der Anwesenden.

    Ich, Hans Heini, bin bei Opa und Oma aufgewachsen, sie waren mir Eltern und die besten Großeltern, die man sich wünschen kann.

    Es gab tatsächlich einen Bonus für das Zusammenleben mit ihnen, denn wenn ein Enkelkind zu Besuch kam, wurde ich auch verwöhnt. Es gab immer entweder ein Schokoladenbrot oder Erdbeeren aus ihrem Garten oder frischen Zwieback.

    Opa und Oma waren nicht darauf aus, Reichtümer anzusammeln. Ihr Wunsch war es, einen Segen in der Gemeinde zu sein und Gott zu dienen.

    Als Lar Betesda gebaut wurde, machte Opa seinen täglichen Spaziergang zur Baustelle, ermutigte die Arbeiter und erzählte ihnen, was für ein wichtiges Projekt dies war. Aber als das Haus fertig war, kam jemand auf ihn zu, um seinen Namen auf die Liste der zukünftigen Einwohner zu setzen. Da blieb er vom Heim für eine Weile weg.

    Am Ende, nachdem Oma gestorben war, wurde Lar Betesda zu seinem zweiten Zuhause. Es gefiel ihm, wie er dort gepflegt wurde. Dort lernte er Frau Goossen kennen und sein Enkel Francisco Wiens segnete das Paar. Diese Vereinigung dauerte nicht lange, denn Frau Goossen starb bald.

    Opa wurde 99 Jahre alt und freute sich auf den Tag, an dem Jesus ihn nach Hause rief (15.11.1982).

    Ich werde für immer dankbar sein für das Heim, das Gott mir nach dem Tod meiner Mutter gegeben hat."                             Hans Heini Baerg

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Familie Jakob Töws

Jakob und Lena Töws hatten 8 Kinder. Die Zahlen vor dem Namen deuten auf die Reihenfolge der Geburt, also von (1)Johann, der älteste bis (8) Rudy, der achte und letzte. Vor den Kindernamen steht ebenfalls eine Nummer, z.B. „(1T)Lili Marlene“, das heisst, sie ist T = die Tochter von (1) Johann. (2M)Arthur Krüger bedeutet Arthur ist der Mann von Susana, die zweitgeborene in der Familie Töws

Hinterste Reihe:

(4)Peter, (1)Johann, (8)Rudy, (1S)João Guilherme, (6)Olga Tows Wallmann, (6M) Germano Wallmann mit Sohn, (3)Lena Tows Unruh, (5)Werner

Mittlere Reihe:

(4e) Elisabeth Peters Tows mit Baby Marlyn, (1e)Elisabet Pankratz Tows, (1S)Dietmar,

Die Ahnen Jakob Töws mit Frau Lena

(7)David, (5F)Erika Sohn Tows mit Mario, (2)Susana Tows Krüger mit Sohn Albert Krüger, (2M)Arthur Krüger mit Sohn Arnold Krüger.

Vordere Reihe:

(3S)Henrique Unruh, (3f)Walter Unruh, (2T)Karin Krüger, (2T)Elisabeth Krüger, (1T)Lili Marlene, (4T)Vivian, (3f)Huldi Unruh. Vorne sitzend (3S)Hardy Unruh

    Jakob Töws (MBG-Boq), ein schlichter und leiser Mann, trotz großer Fähigkeiten und Verdiensten in der mennonitischen Gemeinschaft in Boqueirão, Ctba. Er baute Häuser aus Holz und Stein, er ist der Baumeister des früheren Gemeinschaftssaales (1955), der auf dem Hof der Erasto Gaertner Schule stand, ein schwieriges Unterfangen, denn der immense Bau wurde nur von den Seitenpfeilern gestützt. Er war ebenso am Bau der ersten Kirche (1946-48) beteiligt, die noch heute zu sehen ist.

    Er ist 1908 in Russland geboren. Er kam mit Frau Lena nach Brasilien, mit dem ersten Sohn schwanger, zuerst zum Krauel, später dann nach Curitiba.

   Er, der leblangs das Kranksein nicht kennengelernt hat, starb 71jährig an den Folgen der Entzündung eines verrosteten Stacheldrahtzaunes.

   Geschichte beginnt erst da, wo sie aufgezeichnet wird, wenn jemand sie aufschreibt und versucht sie zu deuten. Was geschehen ist, egal wie bedeutsam es gewesen sein mag, fällt ins Meer der Vergessenheit, verrinnt wie der Sand am Meer, außer jemand zeichnet es auf, pickt besondere Merkmale heraus, macht Vergangenes sichtbar und hält diese Einsichten schriftlich fest.

 

Familie Peter Wieler

Hintere Reihe:

(3)Peter Wieler; (6)Franz Peter  Wieler; (2) Maria (Marle); (4F) Elizabeth Spenst, (4) Jacob; (5)Katarina (Kähti); (7) João Geraldo, (1M)Johann Dück

Zwischen der letzten und ersten Reihe die Jungen, von links nach rechts (4S) Bruno; (1S)João Dück Filho (Hardi); (1S) Pedro Érico Dück

Vordere Reihe:

(3T) Ruth, (3F) Hildegard Badensia Pankratz mit (3S)Werner 

Die Ahnen Anna Siemens Wieler und Peter Wieler

  (1)Anna Wieler Dück mit (1S)Heinz Duck, (1T)Ellen Anemarie 

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     Das Bild stammt aus dem Jahr 1957. Sechs Personen aus dem Bild sind noch unter uns.

     Nur der Mensch ist dazu fähig, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und dann feststellen, was aus ihr geworden ist. Tiere leben immer im Jetzt, wir aber können uns als Glied einer Kette erkennen. Das macht uns demütig, aber es ermöglicht uns auch Einsichten, die uns erlauben unser Hier und Heute um so bewusster nachzugehen. 

      Herr Peter Wieler hatte keine Milchwirtschaft. Ich erinnere mich daran, wie ich auf seinen Hof kam, ungefähr neunjährig, und es gab dort keine Kühe. Was macht dieser Mann? Wovon lebt seine Familie? Da zeigte man mir lange niedrige Scheunen, ohne Seitenwände. Was macht er da? Er stellt Ziegeln und Dachsteinen her.

     Diese Kunst hatte er schon in Russland ausgeübt. Hatte er sie eventuell von seinem Vater gelernt? Ich bekam keine Antwort darauf. Am Kraul öffnete er eine Ziegelei und dann in Curitiba. Ein mühseliges Unterfangen, denn um den geeigneten Ton zu finden, mussten seine Söhne oft sehr weit fahren.

     1947 sollte eine neue Kaserne gebaut werden, die in Boqueirão an der Marechal Floriano? - das wurde nicht aufgeschrieben. Auf jeden Fall wandten sich die Baumeister an Herrn Wieler mit einer außergewöhnlichen Bestellung, sie bestellten 100 tausend Ziegeln. Herr Wieler, ein sehr leiser Mann, vorsichtig und nachdenklich, konnte sich nicht so recht darüber erfreuen. Wie sollte er den ganzen Ton herbeischaffen und danach die fertigen Ziegeln zur Baustelle bringen?  Das sei kein Problem, meinte man. Man besorgte ihm einen besonderen Kredit für den Kauf eines Lastwagens, der sich ja durch die Riesenbestellung tilgen lassen könnte.

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Hintere Reihevon links nach rechts (3) Lydia (verheiratet mit Peter Ens); (4) Johann (mit Maria Isaak); (6) Victor (mit Gisela Epp), (5) Anna (mit Peter Pauls) 

Vordere Reihe:

Die Ahnen Agnes und Wilhelm Janzen

  zwischen ihnen (7) Ernesto

       

Familie Wilhelm Janzen 

    

     Diese Familie hat die Anfänge der Mennoniten in Brasilien mitgemacht und mitgestaltet. Bei dieser Veröffentlichung durfte ich glücklicherweise mit der Hilfe einer Enkelin, Ingried Janzen Huebert, Aceguá, rechnen. Sie erzählt:

   "Mein Großvater Wilhelm Janzen wurde 1898 in Rosengart, Südrussland geboren. Dort besuchte er die Dorfschule. 1913 siedelten seine Eltern nach Sibirien um. Sie kauften im Omskerkreis eine Wirtschaft. Er begann noch mal die Schule, aber wegen der Wirtschaftskrise gab er es auf und half zu Hause mit.

    Er hat ein Jahr in der Kaiserzeit Forstarbeit geleistet. Als der Bürgerkrieg kam, wurde er auf ein Jahr und drei Monate in die Weiße Armee eingezogen. In einem von ihm hinterlassenen Text erzählt er, dass von 5 einberufenen Jünglingen, zwei nicht zurückgekehrt sind. Er berichtet: "Ich hatte das Vorrecht als 12jähriger Knabe im Elternhause den Heiland als meinen Erlöser anzunehmen. In der Dienstzeit fing der Herr ein Neues mit mir an und ich durfte bald darauf, als das erste Tauffest stattfand, mit vielen Dienstkameraden, im Ganzen 28 an der Zahl, dem Herrn Jesus in der Taufe folgen. Damit wurde ich in der M.B.Gemeinde aufgenommen. Im Jahre 1921 feierten wir, ich mit Marichen Epp, unsere grüne Hochzeit. Unser Eheleben war von kurzer Dauer. Schon im Jahre 1927 nahm der Herr meine Frau nach längerem Leiden von meiner Seite. Nach einer schweren und einsamen Zeit, schenkte der Herr mir dann die zweite Frau, Agnes Regier (1928)."

   Schon in Russland war er auf geistlicher Ebene tätig als Sonntagsschullehrer, Jugendleitergehilfe und dann auch als Prediger.

   Darüber schreibt er: "Ältester J. Huebert als Nachbar besuchte mich oft und gab mir Unterweisungen und Ratschläge für die Vorbereitung zu einer Predigt mit der Bemerkung, den Geiste Gottes walten zu lassen. Predigerkurse konnten zu der Zeit schon nicht mehr durchgeführt werden." 

   Sie verbrachten die ersten Jahren in Brasilien am Krauel. 1939 zogen sie nach Curitiba, wo sie eine Milchwirtschaft gründeten. Er wurde in der Gemeinde in Boqueirão als Prediger eingesegnet. Ist dieser Akt als eine Bestätigung seines Predigtdienstes zu verstehen? Das lässt sich heute nicht mehr klären.

    1952 zogen sie nach Colônia Nova, wo zur Milchwirtschaft die Landwirtschaft hinzukam.

   Leider sind meine Erinnerungen über ihn verblast. Ich weiß aber, dass ich gern in das Haus meiner Großeltern ging. Sie waren zu uns Enkeln sehr liebevoll. Großvater war sehr ruhig, Großmutter 

war etwas hektischer, es ging ihr nie schnell genug. Eine Tante erinnert sich eines typischen Wortes bei ihnen zu Hause: „Schnell beten, essen“, um gleich wieder an die Arbeit zu kommen.

   Großvater war hier in Colônia Nova immer mit Gemeindefragen und –arbeit beschäftigt, wo er als Prediger und Gemeindeleiter (1958-1960) diente. Großmutter und Kinder mussten Haus, Hof und Milchwirtschaft bestellen.

    1960 zogen sie nach Curitiba, Vila Guaíra, wo er wieder als Prediger tätig war. Von dieser Zeit gibt es das Zeugnis einer Enkelin, Bruna Janzen, die in ihrer Nähe wohnte. Sie berichtet: "Oma ging es gesundheitlich nicht gut. Opa kochte, putzte, machte die Einkäufe. Sie hatten auch viele Blumen und Pflanzen, alles sehr sauber und ordentlich. Hinter dem Haus hatte Opa einen Gemüsegarten. Da gab es Süßkartoffeln, Brombeeren - ach wie schmeckten die gut! - und wenn die Ernte gut war, kochten sie Mus."

     Das ging solange, "bis die Tage herankamen, von denen man sagen kann, sie gefallen mir nicht" (seine Worte).

    Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachten sie in Lar Betesda, Curitiba. Oma war oft krank und wurde liebevoll von ihrem Mann gepflegt. Er starb dort im Alter von 90 Jahren starb.

    Großmutter zog dann zu ihrer Tochter Lydia, in Cuiabá, MT, wo sie im Alter von 97 Jahren heimging.

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Familie Peter Hamm

Erste Reihevon links nach rechts 1. Reihe: (3S)Geraldo, (4S)Harri Klassen, (3S)Rodolfo, (3S)Pedro, (1T)Alice Friesen, (1S)Helmut Friesen, (4S)Harri, (1T)Ingrid Klassen, (3T)Hildi, (5T)Elfriede; 

2. Reihe von links: (6F)Frida Hamm mit (6S)João Herbert, (4)Aganeta mit (4T)Katarina;

Die Ahnen Susana Hamm mit Enkelin (4T)Suzana Klassen

und Peter Hamm mit Enkel (4S)Roberto

Missionarin Ana aus Paraguay, (3F)Elza mit (3T)Maria, (5)Anna H. Klassen mit (5S)Voldemar Klassen (Pelé), (5T)Huldi Klassen, stehend (2)Käthi Hamm;

3.Reihe: (6)João mit Pedro Fritbert, (4M)Hans Klassen, (1)Suzana H. Friesen, (1M)Bernardo Friesen mit (1S)Victor, (7)Martha Hamm, (3)Pedro Hamm Filho, (5M)João Klassen, (1T)Elvira Friesen,   

Letzte Reihe: (1T)Maria Friesen, (4T)Waldtraud Klassen, (4S)João Eurico Klassen, (3T)Helena, (5T)Anelise Klassen, (4T)Dorotéia Klassen, (4T)Edite Klassen, (1S)Pedro Friesen 

Es fehlt der jüngste Sohn (8)Henrique (Ney)

Prediger Peter Hamm

Auszüge aus dem Nachruf in Bibel und Pflug (20.12.78):

      Peter Hamm wurde in der Memriker Ansiedlung, Dorf Nordheim, Ukraine, am 26. November 1895 als zwölftes Kind geboren. Als noch Jüngling fuhr er mit seiner Schwester, die leidend war, zum Kurort im Kaukasus, wo sie freudig, dem Herrn ergeben, starb. Er war alleine da, um sie zu beerdigen. Ihr freudiges, friedevolles Abscheiden führte ihn zum lebendigen Glauben an seinen Heiland, und er wurde im Juni 1912 getauft und in der MB-Gemeinde aufgenommen.

      Früh verlor er seine Eltern, kurz nacheinander. In unserer Mutter Susanna fand er seine Lebensgefährtin, mit der er 1918 in den Ehestand trat. Es wurden ihnen 9 Kinder geboren, von denen eine Tochter im Kindesalter starb. Mit seinen Eltern verließ er 1929 Russland.

     Sie kamen am 23. Juli 1931 auf Stolz Plateau an. Es war sehr schwer, der Anfang im Urwald. Vaters Gesundheit und Kräfte waren nicht gut, so entschlossen sie sich, nach Curitiba zu ziehen. Die Reise mit dem Pferdewagen dauerte zehn Tage. Zuerst in Pilarzinho, dann 1936 in Boqueirão, wo sie eine Milchwirtschaft führten.

       Seine erste Predigt hielt er noch in Russland, im Jahre 1927. Er war ein Liebhaber der Musik und des Gesanges und leitete viele Jahre den Chor in Russland, in den Flüchtlingslagern und später in Brasilien. Von Prediger Gerhard Rosenfeld wurde er auf Stolz Plateau ordiniert.

      Mit Ältesten Jacob Hübert und Ältesten David Koop zusammen haben sie dann in den Anfangsjahren auch hier in Curitiba die Gemeinden gegründet und gebaut, wodurch sie sich eng verbunden fühlten. Er hat 45 Jahre als Prediger gedient, und als Ältester Jacob Hübert 1947 in den Ruhestand trat, hat er 10 Jahre die MBG geleitet. Er hatte keine theologische Ausbildung, aber der Herr hat ihm viel Gnade geschenkt und somit ist er vielen zum Segen geworden.

     Er hat auch viel zum Bau der Schulen und Kirchen beigetragen, auch bei der Gründung des Friedhofes und der ersten portugiesischen Missionskirche der MBG in Curitiba. Kein Bettler ging an seiner Tür vorbei, dem er nicht etwas gab. Er war beliebt bei jung und alt und auch bei den Brasilianern. Sie hätten noch ihre Diamantene Hochzeit feiern können, hätte der Herr nicht unsere liebe Mutter im Alter von 84 abgerufen.

     Kampf und Leid sind ihm nicht erspart geblieben. Am 29. August (78) wurden die Schmerzen groß. Er betete mit einigen Kindern; dankte Gott, dass er ihm immer geholfen hatte und bat ihn auch, ihm jetzt nahe zu sein. Gegen Morgen, den 30. August, nach einem kurzen Todeskampf, durfte er heimgehen. Seine letzten Worte waren: „Der Heiland kommt“.

      Er hinterließ 8 Kinder, 47 Enkeln und 10 Urenkel.

Gezeichnet von Susanna Hamm Friesen

Wie ich ihn sehe

    Ich kann mich noch an ihn erinnern, als er schon ein sehr alter und gebrechlicher Mann war. Ich sehe es noch, wie Pr. Jacob Dück ihn kurz vor dem Gottesdienst am Eingang der neuen Kirche fragte, ob er ein Einleitungsgebet sprechen könnte. Ich stand nebenbei und sah, wie er es ablehnte. Da erklärte mir Bruder Dück, dass er ihn damit nicht schon am Tag vorher beauftragen konnte, denn das würde ihn zu sehr aufregen und den Schlaf der Nacht rauben.

       Ich fragte seinen Enkel, João Herbert Hamm, ob er sich noch an den Opa erinnere. „Und ob“, meinte er. „Die ganze Familie hegt eine sehr liebevolle Erinnerung an ihn. Ich weiß noch, wie ich auf den ersten Bänken saß und den Predigten meines Großvaters zuhörte. Zu Weihnachten versammelte sich die ganze Familie bei ihm zu Hause. Jeder bekam ein Geschenk. Wir sangen alle und beteten zusammen.“

     Mein Vater und meine Mutter sprachen mit großem Respekt von ihm. Er leitete die Gemeinde in den Perioden von 1936-37; 1947-57; 1959-61. Der von der Familie verfasste Nachruf unterließ verständlicherweise die polemischen Aspekte seiner Biographie, besonders die Tatsache, dass nach seiner Wahl als Gemeindeleiter im Jahre 1959 eine Gruppe von 47 Personen, darunter viele Vorstandsmitglieder, die Gemeinde verließ und eine neue Gemeinde in Xaxim gründete.

      Warum geschah das? Wenn man in „Die russlanddeutschen Mennoniten in Brasilien“ von Peter P. Klassen nachliest (Band 2, St.154-160), dann erfährt man, dass eine Gruppe jüngerer eifriger Geschwister ein Bibelstudium bei Lehrer Hans Legiehn abgeschlossen hatte und nun eine strengere Gemeindezucht forderte, sei es wegen der Beigabe von Wasser bei der in der Stadt abgelieferten Milch oder die Verhaltensweisen von Jugendlichen, z.B. das Flirten.

      Eine Frau, die in jenen Jahren der Krise geheiratet hat, berichtet folgende Episode, die einen guten Einblick gibt: „Nach meiner Hochzeit mit einem Ungläubigen – mein Mann war damals noch nicht bekehrt – wurde ich deswegen von der Gemeinde ausgeschlossen. Neun Monate später kamen zwei Prediger zu Besuch und baten, dass ich doch zur Gemeinde zurückkehren sollte. Sie machten mir einen Vorschlag: „Komm vor die Versammlung und sag, dass es dir leid tut, einen ungläubigen Mann geheiratet zu haben.“ Darauf erwiderte ich: „Das stimmt aber nicht. Das kann ich nicht sagen.“ Ich sollte dann eben ohne diese Erklärung vor die Gemeinde kommen. Das tat ich, wurde aufgenommen und wenige Monate später bekehrte sich mein Mann und ließ sich taufen.“

       Diese Absolventen des Bibelstudiums forderten eben eine strengere Haltung als die, die von Peter Hamm durchgeführt wurde. Auf einer Gemeindestunde erklärte Peter Hamm seine Haltung: „Ich möchte nicht weniger Brüder und Schwestern haben als unser Erlöser“ (St. 159). Diese mildere Haltung seinerseits wurde von dieser Gruppe übel genommen und es kam zur Gemeindespaltung.

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Familie Franz Kroeker

Erste Reihe, liegend: von links nach rechts (9)Hugo, (10)Henrique; 

2. Reihe von links, Kinder: (2T)Maria Luisa Gortz (Loewen), (3S)Francisco Gortz Neto, (4T)Judite Kröker (Pauls), (3T)Monica Gortz (Boschmann), (2T)Helga Gortz (Winter), (2T)Hannelore Gortz (Warkentin), (1T)Marlene Kröker (Winter)

3.Reihe, Erwachsene, sitzend: (5F)Erna Dück Kroeker, (4F)Selma Enns Kroeker mit (4T)Karin Kröker (Jahn), (1F)Lena Warkentin Kröker mit Friedbert Kröker,

Die Ahnen Susanna mit (6T)Rosemary Friesen 

und Prediger Franz Kroeker mit (2S)Heinz Bernhard Gortz,

(2)Maria Kroeker Gortz, (3)Elizabeth Kroeker Gortz mit (3T)Susy Gortz (Janzen), (6)Charlotte Kroeker Friesen

Letzte Reihe, stehend: (5)David mit (5S)Valdemar, (4)Franz Kröker Filho, (1)Hans, (7)Anni Kroeker Neufeldt, (8)Alfredo, (2M)Jacob Gortz, (3M)Francisco Gortz Filho, (6M)Helmuth Friesen, (2T)Gertrud Gortz (Hamm)

 

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  Franz und Susanna Kroeker

     

    Franz Kroeker ist 1892 in Russland, in der Krim, geboren, Susanna kam 1902 auf die Welt. Als sie 1922 geheiratet haben, war sie erst 19 Jahre alt, er schon 30 und ordinierter Prediger der Mennonitengemeinde. Sie zogen auf zwei Jahre nach Sibirien, um als Prediger zu dienen. Selbstverständlich musste er nebenbei auch für ihren Unterhalt aufkommen. Als sich die Lage in Russland verschlechterte, beschlossen auch sie ins Ausland zu gehen. Prediger wurden damals besonders verfolgt.

    In Moskau lebten bis fünf Mennoniten-familien in einem Haus. Eines Tages hatte er eine Eingebung und teilte sie den anderen Hausgenossen mit: „In 21 Tagen werden wir ausreisen.“ Einer fragte: „Woher hast du das?“ Darauf antwortete Franz (nach Jes.55.12.) „Ihr werdet in Frieden ausziehen.“ „Das glaube ich nicht“, reagierte jener. Darauf Kroeker: „Ich habe es von oben.“ Dieser Hausgenosse verkündete: „Ich halte es hier nicht mehr aus. Verkauf mir dein Haus und Vieh! Wir gehen zurück.“ Das Geschäft fiel Franz nicht schwer. So bekam er zusätzliches Geld für die lange Zeit der Ungewissheit, die ihnen bevorstand.

    Als sie Russland verließen, hatten sie vier Kinder, das jüngste, der 10 Monate alte Franz, starb bald danach. In dem langen Aufenthalt in Deutschland wurde ihnen ein Junge geboren. Der erhielt wieder den Namen Franz.

    Erst 1931 kamen sie zum Krauel. Der Sohn Alfredo hat seinen Vater als ein sehr mutiger und entschiedener Mann in Erinnerung. Als die Naziwelle die Mennoniten am Krauel erfasste, stand eines Tages einer dieser Anhänger Hitlers auf und schlug vor, zu Beginn des Gottesdienstes nicht mehr ein Gebet zu sprechen, sondern es durch ein „Heil, Hitler!“ zu ersetzen. Das erboste den Prediger Franz, dass er sich auf Lautem dagegen empörte. Er war ein unerschrockener Streiter für die Wahrheit. Seitdem waren manche Mennoniten, besonders in führenden Kreisen, ihm nicht mehr gut gesonnen. Es kam soweit, dass er in der lokalen Kooperative weder kaufen noch verkaufen durfte.

    1939 zog die Familie Kroeker nach Curitiba. Er liebte die Wahrheit und war immer bereit, dafür den Preis zu zahlen. Alfredo erinnert sich daran, dass er in der Schule von einem Lehrer besonders hart bestraft wurde, gerade weil dieser Wut auf seinen Vater hatte. Prediger Franz Kroeker hatte diesen Lehrer in einem sündigen Verhalten entlarvt.

    Sie gehörten jetzt der Brüdergemeinde an. Als Spannungen entstanden, besonders mit anderen Predigern, beschloß er, als Reaktion auf eine freundliche Annäherung von Ältesten David Koop, zur Mennonitengemeinde überzugehen. Bald durfte er dort aber auch nicht mehr seinem größten Verlangen nachgehen, nämlich dem Dienst auf der Kanzel.

    Nach seinem Tod 1959 wechselte seine Frau Susanna in die MBG-Xaxim. Sie erklärte, dass sie damit dem Wunsch ihres verstorbenen Mannes folgte.

    Die Enkelin Helga Winter erinnert sich daran, dass die Großeltern die verheirateten Kinder regelmäßig besuchten, „ich glaube, einmal pro Woche. Sie kamen mit dem Pferdewagen. Ich erinnere mich, dass ich dann immer mitfahren wollte. Wenn meine Eltern es erlaubten, dann nahm mich Opa auf den Schoß und erzählte mir Geschichten aus der Bibel. Einen Satz, den ich von ihm behalten habe: ‚Mein Haus ist nicht mein Gott‘. Ich war noch Kind, aber der Satz blieb mir sitzen.

    An Oma kann ich mich besser erinnern, denn sie blieb länger unter uns. Sie strickte und häckelte gern. Die Puppen unserer Tochter bekamen neue Kleider immer wenn Oma merkte, dass dieses notwendig war. Sie wurde in der Familie auch dafür berühmt, dass sie uns warme Schuhe strickte. Alle bekamen zum Geburtstag diese Schuhe – und die Familie war groß, denn es gab viele Enkel und Urenkel.

    Es geschah auch ein sehr trauriges Ereignis in der Familie, als zwei ihrer Söhne und zwei Schwiegertöchter bei einem Autounfall im Süden Brasiliens ums Leben kamen. Das traf sie sehr, aber sie tröstete sich damit, das Gott keine Fehler macht.“

    Die Enkeltochter Marlene Winter erinnert sich daran, dass „Oma sehr gut kochte und wunderbar backen konnte. Oma und Opa bekamen immer viel Besuch und machten auch viele Besuche. Sie sangen gerne zusammen. Opa schrieb auch Gedichte.“

    Ich fragte seinen Sohn Alfredo, warum es so lange gedauert hat, bis er und eine Reihe seiner Geschwister zum Glauben fanden. „Weißt du, Udo, es kam mal ein Missionar aus dem Norden zur Brüdergemeinde in Curitiba. Er hieß Seibel. Der kam ins Haus und wollte ohne Taktgefühl uns zur Bekehrung zwingen. Dagegen haben wir uns aufgelehnt.“ Ich erwiderte Alfredo, dass mir diese Erklärung ungenügend vorkam. Da fiel ihm folgendes ein:„Ich erinnere mich“, erzählte er weiter, „dass auch meine Mutter diese Frage dem Vater mal vorlegte: ‚Warum dauert es so lange, bis unsere Kinder zum Glauben kommen?‘ Der Vater antwortete kurz: ‚Alles hat seine Zeit!‘“

   Tochter Charlotte Friesen, Kanada, schickte folgenden Beitrag:  „Unser Vater hat es immer sehr gut gemeint, aber er war sehr streng mit uns, denn wir waren doch Predigerskinder.

   Einmal pro Monat fuhr er zum Stadtteil Portão um einzukaufen. Was er alles kaufte, habe ich schon vergessen, aber an die große Öldose und den Sack Mehl kann ich mich noch erinnern. Nur eines der Kinder durfte mitfahren, er brauchte viel Platz auf dem Pferdewagen für die Einkäufe. Wer mitfuhr, bekam dann im Geschäft einen bis heute unvergesslichen Genuss, ein Glas Capilé, künstlich gesüßter Sirup.

   Nachdem das Heu gemäht war, diente das Feld als Fussballplatz. Ich liebte es, mit meinen Brüdern Fussball zu spielen.

   Meine Schwester Anni und ich mussten abwechselnd unseren schon verheirateten Schwestern beim Kinderhüten helfen.

   Vater brachte oft Besuch mit nach Hause. Anni und ich mussten dann beim Bedienen helfen. Bei einer Gelegenheit bat der Vater, dass ich dem Besuch die Hand reichen sollte. Ungeschickterweise reichte ich ihm die linke Hand. Er ignorierte mich. Schnell kam der Vater herbei und bat mich, ihm die rechte Hand zu reichen. Ich war wohl ungefähr 12 Jahre alt.

   Wenn Vater jemanden besuchte, wollte er immer eine Kleinigkeit, vielleicht ein Paar Kekse mitnehmen.  Unsere Familie war groß und die Mittel waren knapp, aber Mutter fand immer etwas, das Vater einem Kranken bringen konnte. Wenn der Besuch einer Witwe oder allein stehenden Frau galt, dann musste Mutter ihn begleiten.

   Unsere Mutter war eine sehr tapfere Frau. Oft musste sie neben der Mittagessen für die Familie noch eine besondere Speise für Vater vorbereiten, da er Probleme mit seinem Verdauungssystem hatte. Er vertrug zum Beispiel kein frisches Brot, auch nichts Gebratenes.

   Noch etwas Lustiges zum Abschluss: Die Enkelinnen Trudi (Gertrudes Hamm) und Luxa (Maria Luiza Loewen) besuchten eines Tages die Großeltern. Sie waren noch Kinder. Als Mutter bei einer Gelegenheit auf eine Leiter steigen wollte und dabei schien Angst zu haben von der Leiter zu fallen, breitete die kleine Luxa ihr Kleidchen aus und ermutigte die Großmutter: 'Kannst ruhig aufsteigen, Oma. Wenn du fällst, dann werde ich dich hier auffangen!'“

    Der Sohn Hugo hat folgende Erinnerungen mitgeteilt: "Unsere Eltern sind uns Kindern und Enkeln in liebevoller Erinnerung geblieben. Vater war Prediger und widmete sich der Familie und der Herde. Sonntags, wenn er im Gottesdienst predigte, saßen wir drei Jüngsten auf der Bank neben der Kanzel, während er predigte.

   Als Familie halfen wir in der Milchwirtschaft mit beim Melken, die Kühe füttern und hüten. Im Zimmer der Eltern gab es einen Kamin. In Winterabenden versammelten wir uns dort. Mutter saß neben dem Kamin, legte Holz nach, stopfte Strümpfe und ordnete unsere Kleider. Vater lag schon im Bett, wir drei Buben neben ihm, da erzählte er uns Geschichten aus der Bibel mit solcher Begeisterung, dass ich es nie vergessen habe. Neben der Bibel erinnere mich auch an die Mennonitische Rundschau, der Bote und Das Beste.

   In den letzten Jahren schrieb er seine Lebensgeschichte in Reimform, wo er Episoden seiner Jugendzeit bis seine letzten Jahre darstellte. Das wurde ein wahres Kunstwerk. Er war darin wirklich von Gott begnadet. Sein Lieblingslied, das er oft mit Mutter sang, war: 'Die Zeit ist kurz, oh Mensch sei weise!'“

Nachbemerkungen:

  1. Am Krauel war Prediger Franz Kroeker Sekretär des KfK, das Komitee, das für gemeindliche Fragen verantwortlich war. In der Ausführung dieser Aufgabe geriet er in Konflikt mit der Siedlungsleitung. Der Konflikt wird in P.P.Klassen, Band I, St.222-225 ausführlich geschildert.

  2. Ich stieß auf einen 60seitigen Lebensbericht von Herrn Kroeker, den ich für diese Ausgabe nicht mehr einbeziehen konnte. Er nimmt darin bezug auf manche historischen Begebenheiten der Mennoniten in Brasilien. Vielleicht macht es sich möglich, später Auszüge daraus zu veröffentlichen.