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Menonitas no Brasil

Mennoniten in Brasilien

   Nachrichten und Mennonitische Geschichte 

30.03.2026


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Editor: Udo Siemens

Nova edição: segundas, às 13 hs

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Die jüngere Generation unserer Tage hat keine Ahnung mehr, was ein wirkliches Sängerfest bedeuten kann. Es war nicht nur eine Zusammenkunft vieler Chöre, es war nicht nur das Singen vieler Lieder. Sängerfeste bedeuteten Trost, gegenseitige Erbauung, der eindringliche Zuspruch der Grundwahrheiten der Bibel. Es war aber auch die Gelegenheit, liebe Geschwister und Freunde wiederzusehen, die letzten Neuigkeiten auszutauschen, nicht über die grosse ferne Welt, sondern über das Wohlergehen von Freunden, Glaubensgeschwistern und anderen Mennoniten.
 


Die Mennoniten Brasiliens sterben aus

Ihre Geschichte aber bleibt.
Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.
Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!


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Die Mennoniten Brasiliens sterben aus

Ihre Geschichte aber bleibt.

Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.

Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!

Teil 9

     

     Als die Geschichte der Mennoniten Brasiliens veröffentlicht wurde, kann man die Reaktion darauf in zwei Gruppen teilen. Einerseits die Nachkommen jener Einwanderer, die grösstenteils die Bücher nicht gelesen haben, in den meisten Fällen, weil sie schon nicht mehr genug das Deutsche verstanden, vielleicht auch weil sie wenig Interesse an den Geschichten hatten, andererseits die Eingewanderten und die dort Geborenen, die zum grössten Teil das Werk des Schriftstellers ablehnten, denn es sei zu kalt und sachlich. Teilweise auch weil es alte Wunden aktualisierte.

    Unsere beste Dichterin, Elizabeth Töws, schrieb darüber eine bittere Klage:
 

Das zerstörte Heimatbild

Man hat mir mein liebstes Bild zerrissen,

das Bild der Heimat, lieb und traut.

So hab ich nun, nach bestem Tun u. Wissen

ein neues Bild mir wieder aufgebaut.

 

Ich hob sie auf, die vielen kleinen Fetzen

und klebte sorgsam sie zurecht.

Kein einziges wollt ich verletzen,

und jedes kam zu seinem Recht.

 

Nun steht es da, wo's immer hat gestanden.

Zwar sieht man hier und da noch einen Riss,

doch wer es nicht kennt, der kanns nicht ahnen,

daß man mir herzlos dieses Bild zerriss.

 

Ich wünsche nur, ich könnt' es immer schützen,

dies teure Bild der Heimat mein.

Was will der Mensch? Was kanns ihm nützen –

wenn er zerstört, was nie ward sein?

 

Wer hier sein eig'nes Bild verloren –

um den tut es mir wirklich leid,

sein Elternhaus, das Fleckchen wo er einst geboren,

die Wege seiner Jugendzeit.

 

Ein jeder Mensch braucht eine Hand voll Erde,

und eine Hand voll von Erinnerung,

auf daß auch in der Fremde Neues werde,

die Wurzel findet neuen Grund.

 

Dies Bild muss man im Herzen tragen,

wenn man dann in die Ferne geht.

Dort kann es dir kein lieblos Wort zerschlagen,

wo Heimat ist, ist auch Gebet.

 

Und will man rauh dein Bild zerstören

so halt es fest und gib es niemals her.

Durch dieses Bild wirst du die Heimat hören,

wo du auch bist, weit über Land und Meer.

 

Sind längst verhallt der Mutter sanfte Lieder,

des Vaters Worte: „Gott behüte dich, mein Kind“,

das treue Bild erinnert dich dann wieder,

daß sie im Herzen dennoch bei dir sind.

Elisabeth Tows. — Curitiba

​​​

Der Streit der Führer

 

     Der Fehlschlag mit dem Projekt, in der "Vereinigung" eine angemessene Verwaltungsform für die Siedlungen zu finden, hatte - wie schon vermerkt - mehrere Ursachen. Quiring sah in der aufgebrochenen Rivalität zwischen Heinrich Martins und Heinrich H. Löwen den Hauptgrund für den administrativen Verfall der Siedlungen, und nach seiner Darstellung gab es über ein Jahr lang - vom Mai 1932 bis September 1933 - überhaupt keine Verwaltung.

    Daß auch Martins die Ursache für das Versagen der Vereinigung wohl in erster Linie in dem internen Streit sah, geht aus seinem bereits zitierten Brief an den Schriftleiter des "Boten" hervor: "... heute liegt alles still," schreibt er, "weil die gegenseitigen Beziehungen zwischen einigen leitenden Personen nicht normal sind. Unter solchen Umständen muß die Allgemeinarbeit natürlich leiden. Wir hoffen aber, daß recht bald auch dieser schwere Punkt überwunden sein wird" (5.8.32).

Mennoniten dagegen kamen auf einem sog. "Kongreß" im August 1917 zur Sprache. Hier waren 198 Delegierte aus allen Bereichen der Wirtschaft und Kultur vertreten. Das Zentralbüro dieses Kongresses nannte man "Mennozentrum" (Epp, 1962, 40).

     Das sind milde Worte für eine Auseinandersetzung, die solche Ausmaße annahm, daß sich auch die Dienst- und Hilfsstellen in Europa massiv einschalteten. Der interne Streit in der Siedlung beschränkte sich auch durchaus nicht auf die Rivalität einiger Führer. Zwist zwischen Auhagen und Witmarsum, zwischen den einzelnen Dörfern, Zank und Streit unter den Siedlern und Siedlergruppen machten es unsäglich schwierig, zu einmütigen Zielsetzungen zu kommen.

     Quiring, der seine unmittelbaren Eindrücke darstellte, schrieb einiges der leidvollen Vergangenheit dieser Menschen zu. Zwölf Jahre lang seien sie dem „ätzenden Gift des Bolschewismus“ ausgesetzt gewesen. Dann kam „eine demoralisierende Flucht und ein kürzeres oder längeres Lagerleben“ dazu. Die Bauern hätten aus der bolschewistischen Zeit „einen ausgesprochenen Widerwillen gegen Behörden und auch gegen ihre engere Verwaltung“ mitgebracht.

     Hinzu kam nach Quiring die Schwierigkeit, die aus vielen rußländischen Ansiedlungen zusammengewürfelte Gruppe zu einer Einheit zusammenzuschließen. „Jeder einzelne Kolonist brachte liebgewordene Anschauungen und eigene Einsichten mit, auch über Verwaltung, die er gern auch auf der neuen Siedlung verwirklicht sehen wollte.“

     Störend wirkte nach Quiring auch die weitläufige Streusiedlung, die auch die Teilnahme an den Siedlerversammlungen sehr erschwerte. Mit in Betracht zu ziehen sei auch „die ungeheuer schwere Arbeit auf der jungen Urwaldsiedlung, der sich die Kolonisten jeden Tag bis zur völligen Erschöpfung hingeben mußten. Tag um Tag waren sie alle von früh bis spät bei Waldschlag, Rodung und Hausbau beschäftigt, wobei sich die meisten auch über Mittag in der Hitze keine Ruhe gönnen mochten. Daher suchten viele vor Ermüdung sogar nachts die notwendige Entspannung vergebens.“

     „Doch der Bazillus der Zersetzung hätte noch vor seiner Entwicklung abgetötet werden können,“ meint Quiring, und dann schiebt er wieder alle Verantwortung einer „kurzsichtigen und eigennützigen Leitung ohne Verantwortungsbewußtsein und Weitblick“ zu.

      Man kann sich vorstellen, daß vielleicht auch Quiring durch die Unmittelbarkeit der Eindrücke und durch Parteinahme in seinen scharfen Urteilen bestärkt worden ist. Es lohnt sich deshalb, ein historisches Bild auch nach dem vorhandenen Dokumentationsmaterial zu entwerfen. Quiring schreibt selbst an einer Stelle: „Geschichte – das ist der unsterbliche Vorgang, der aus den Akten herausgesucht werden muß.“

     Einer der Auslöser für viele Auseinandersetzungen war, wie es auch Quiring damals sah, die ungeklärte Stellung von Heinrich Martins auf seinem Posten als Vertrauensmann von B.H. Unruh in Deutschland und des HDEB in Holland. So fand denn jeder neue Ausbruch der Auseinandersetzungen, die sich zum Teil heftig gegen Martins richteten, in Europa einen starken Widerhall. An Informationen nach drüben von offizieller und privater Seite mangelte es nicht.

     Im August 1931 hatten sich die Holländer, alarmiert durch die Nachrichten aus Brasilien, an Prof. Unruh in Karlsruhe gewandt: „Wie Sie wissen, herrscht unter den mennonitischen Siedlern in Brasilien ein starker Geist des Zerwürfnisses, der Zwietracht, der uns direkt beängstigen will. Aus verschiedenen privaten Zuschriften wie auch aus offiziellen Berichten, die wir empfangen, ist ersichtlich, daß die Reibereien zwischen den einzelnen Gruppen, zwischen Waldheim und Witmarsum, zwischen den Führern der einzelnen Gruppen immer bedrohlichere Formen annehmen.“ Alles ersticke die Lust, weiter zu helfen und ihre Gemeinden um neue Mittel zu bitten. Sie hätten schon überlegt, telegraphisch ein Ultimatum zu stellen oder einen Diktator nach Brasilien zu senden, doch nun wollten sie es noch einmal über die Vermittlung durch Unruh versuchen (6.8.31).

      Darauf schickte Unruh, in höchster Erregung, ein Telegramm über das Deutsche Konsulat in Florianopolis an die Siedlungen:

     „Für Martins und Lange Hammonia stop laut Vollmacht der Holländer fordere ich ultimativ Einstellung jeglichen Kampfes zwischen Personen Gruppen und Ansiedlungen stop Flugpostbrief mit Anordnungen folgt stop Einstellung jeder Unterstützung droht bei Fortdauer heutigen Zustandes stop dieses meine letzte Warnung kraft Vollmacht stopp drahtet Antwort – Unruh.“

     Ein Luftpostbrief vom 11. August 1931 von sechs Seiten folgte, und er enthielt eine eindeutige Stellungnahme für Martins und eine Maßregelung seiner Gegner. Gerade deshalb kam Unruh noch einmal auf die Ernennung von Martins als Vertrauensmann zu sprechen:

     „Br. Heinrich Martins wurde von mir auf Wunsch des Auswärtigen Amtes als Gruppenführer des ersten Transportes aus Kiel zu Verhandlungen nach Berlin eingeladen. In seiner Gegenwart wurde das Projekt einer Ansiedlung in Brasilien eingehend besprochen. Herr Martins selber hatte alle Aussichten, nach Kanada zu kommen... Trotzdem erklärte er mir, als wir das Auswärtige Amt verließen, er wäre bereit, mit nach Brasilien zu gehen, um seinen Brüdern dort zu dienen... Ich habe meinen Freund Martins... in kritischer Stunde, als die Lage sich in Berlin sehr zugespitzt hatte, weil niemand nach Brasilien auswandern wollte, ans Telefon gerufen und ihn gefragt, ob er seinen damaligen Entschluß aufrecht erhalte.... Er erbat sich Bedenkzeit. Am folgenden Tag trug er sich als erster in die brasilianische Liste ein. Alle unsere Komitees haben das als ein mutiges, ritterliches Glaubens- und Liebensopfer des lieben Martins angesehen. Und niemand in der ganzen Welt, vor allem auch keine böse verleumderische Zunge, wird mir jemals die Dankbarkeit, die ich als Vertreter unserer Weltorganisation Martins gegenüber empfinde, zerstören können.“

     Die Stellung Unruhs und der Holländer ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Heinrich Martins ist von mir als mein Vertrauensmann kraft meiner Vollmacht, die mir das Recht gibt, Vollmachten zu erteilen, bestimmt und von den Holländern auch als ihr Vertrauensmann freiwillig angenommen. Martins ist kein Usurpator, kein Eindringling, er hat sich nichts angemaßt, was ihm nicht zusteht... Er ist nach Brasilien, bekleidet mit der Autorität unserer Organisation, ausgewandert. Ich will hier noch bemerken, daß ich vor der Abreise Br. Martins es zur Pflicht gemacht habe, die Ansiedlung mit Hilfe aller denkenden Männer in Gesellschaft und Kirche zu organisieren. Heinrich Martins ist kein Diktator, er ist aber der verantwortliche Vertrauensmann meiner Stelle und des holländischen Komitees“ (11.8.31).

     Unruhs Brief traf die Siedler mitten in ihrem Streit. Die Dörfer Waldheim und Witmarsum vertrugen sich nicht, weil die entfernt gelegenen Waldheimer sich benachteiligt fühlten. Doch es war mehr als das. Martins schrieb an Unruh: „Die Omsker Brüder stehen in der Opposition. Sie rechnen mit Dir gar nicht als ihrem Vertreter“ (8.10.30). Damit meinte Martins die Brüdergemeinde, deren Glieder zum großen Teil aus der Gegend von Omsk kamen und in Waldheim gesiedelt hatten. – Die „Krimer“ waren gegen Martins, weil sie ihn von der Krim her kannten, wo er schon „in der Genossenschaft versagt und sie in den Grund gewirtschaftet habe“, wie eine Krimerin aus Brasilien an Unruh geschrieben hatte. Unruh berichtete das wieder zurück nach Brasilien und erteilte der Frau einen Verweis. Er kenne die Geschichte besser (11.8.36).

     Die neu gegründete „Vereinigung“ funktionierte nicht, weil man dem Vorsitzenden Passivität vorwarf, wie es in einem Protokollauszug der Genossenschaft heißt: „Er (Martins) ist entweder aktiv, oder er tritt den Vorsitz an ein aktives Mitglied ab... Man glaubt berechtigt zu sein, vom Vorsitzenden Aktivität zu verlangen, die so zu verstehen ist, daß er im Einklang mit dem Präsidium der Vereinigung und der Genossenschaft arbeitet; denn man kann auch in negativem Sinne aktiv sein. Es dürften seinerseits keine ungünstigen Berichte über unsere Siedlung nach Holland abgeschickt werden...“ (30.7.31).

     Unruhs Telegramm und Brief vom August 1931 wirkten wie eine Bombe; denn sie enthielten die Androhung, daß alle Mithilfe abgeschnitten werden könnte.

      So ist denn auch das Antwortschreiben der „Vereinigung“ an B.H. Unruh und S.H.N. Gorter ein demütiges und reumütiges: „Mit Bedauern müssen wir konstatieren, daß Reibungen zwischen Gruppen und auch einzelnen Mitgliedern und Vertretern der Gesellschaft gewesen sind, die den allgemeinen Frieden gestört haben. Wir bekennen, daß wir durch die entstandenen und nicht rechtzeitig liquidierten Zwistigkeiten und gegenseitigen Anfeindungen unsere Fürsorger und Wohltäter tief gekränkt und uns selbst geschädigt haben.“

    Man bittet um Vergebung, und man verspricht, alles dranzusetzen, um den gestörten Frieden wieder herzustellen, und von jetzt ab in vollem gegenseitigen Vertrauen gemeinsam für das Wohl der Siedlung arbeiten zu wollen. Man bittet, „alle Schuld zu vergessen und in Freundlichkeit und Liebe wieder die werte Aufmerksamkeit zu schenken...“

     Und dann folgt ein Versprechen: „Ihrem Vertrauensmann H. Martins geben wir von heute ab volle Anerkennung. Wir betrachten ihn auch als unsern Vertrauensmann und sind der festen Zuversicht, daß nur durch friedliche Zusammenarbeit ein bleibender Segen für uns alle entsteht!“ (9.9.31).

     Wie sehr dieses Schreiben unter dem Druck des Ultimatums zustandegekommen war, zeigen die von Heinrich Martins aufgezeichneten Notizen von einer allgemeinen Bürgerversammlung vom 19. November 1931. Der Brief von Prof. Unruh und auch der von den Holländern wurde noch einmal gelesen, und das löste eine heftige Diskussion aus. Dabei kam alles wieder zum Vorschein, was die Gemüter bisher erregt hatte, vor allem aber seine ungeklärte Stellung in der Leitung: „Die Stellung als Vertrauensmann war unklar. – Niemand wußte Bescheid. – Es war keine Freiheit! Wir sind der Wahlfreiheit ganz beraubt. Wir sind unterjocht! – Man hat uns unter unserer Würde behandelt! – Bevormundet bei den Wahlen! – heißt es jetzt wieder.“

     Auch das scheint, jedenfalls vom Gesamteindruck her gesehen, den die vielen Dokumente vermitteln, ein einseitiges Urteil zu sein. Doch es ist nicht zu verkennen, daß die von Heinrich H. Löwen geführte Opposition gegen Martins immer stärker wurde, und sie nahm mit dem Jahr 1932 zu. Dabei geht es dann – wie es heute scheint – oft auch um kleinliche Verdächtigungen und Unterstellungen, die von der andern Seite dann als „Wühlarbeit, Verleumdung und Ehrabschneidung“ bezeichnet werden.

     Wie heftig der Kampf der „Führer“ untereinander war, geht aus dem Briefwechsel zwischen H. Martins und H.H. Löwen hervor. Martins hatte Löwen an Verpflichtungen erinnert. Das hatte Löwen schwer getroffen. H.H. Löwen: „Daß die ganze Ansiedlung... Dir noch weniger Vertrauen schenken wird als solange, läßt Dich kalt. Der Pöbel kann ja doch nichts anfangen; denn Du hast ja Holland und B. Unruh im Rücken. Die lassen sich so leicht von Unbefugten nicht beeinflussen, und zudem hast Du ja die Hollandkasse, und wenn die Ansiedler rebellieren, zieht Holland auf Dein Geheiß die milde Hand zurück. Daß mit solchen Drohungen alles zu erzielen ist, wenn das Hungergespenst droht, hast Du in Rußland als Geheimagent der GPU wahrscheinlich genug Gelegenheit gehabt zu erfahren. Ob es aber angebracht ist, hier mit denselben Mitteln sich Autorität zu verschaffen, lasse ich dahingestellt... Ich bin etwas derb gewesen, doch mußt Du schon damit vorlieb nehmen; denn Du hast mich dazu herausgefordert... Ob ich je so weit kommen werde, die andere Backe hinzuhalten, wenn die eine geschlagen wird, weiß ich heute nicht“ (3.3.32).

     Wenn sonst auch von viel Verleumdung und Hinterhältigkeit die Rede ist, der Kampf der beiden Rivalen wurde mit offenem Visier geführt, und man verkehrte schriftlich miteinander. In diesem Sinne hatte Heinrich H. Löwen seine Meinung auch Prof. Unruh in Karlsruhe gegenüber in einem sechsseitigen Schreiben unverblümt zum Ausdruck gebracht, und es zeigt auf seine Weise wohl die Kehrseite der Medaille in dem Streit.

     Löwen betont, sein Schreiben in Absprache mit Alt. J. Hübert, G. Schierling und D. Koop aufgestellt zu haben. Der Brief ist eine harte Anklage gegen Heinrich Martins, der seinen Posten als Vertrauensmann mißbraucht und die Komitees in Europa einseitig informiert habe. Er informiere hüben und drüben nur so weit, wie es ihm passe. Martins Entschluß, nach Brasilien zu gehen, sei „kein mutiges und ritterliches Glaubens- und Liebesopfer“ gewesen, wie es jetzt in den Briefen aus Europa heiße. Löwen meint, daß „vielleicht Ehrsucht, Herrsch- und Habsucht eine übergeordnete Rolle dabei gespielt haben mögen.“

     Der schwerste Vorwurf Löwens trifft aber Unruh selbst und die holländischen Brüder. Sie hätten durch die Bevollmächtigung von Martins, der auch alle finanziellen Mittel in der Hand habe, einen starken Druck auf die Siedlung ausgeübt. Wer würde bei der Androhung, die weitere Hilfe abzuschneiden, nicht reumütig und unterwürfig? In dieser Stimmung seien nun die demütigen Briefe und Protokolle abgefaßt worden. Die Siedler erfüllten alle Forderungen, wenn sie in „die hohlen Augen und blassen Gesichter der bedürftigen Eltern und Kinder blickten.“ Alles müsse unter Druck gemacht werden, und daran trüge nur der bevollmächtigte Martins die Schuld und nicht etwa streitsüchtige Siedler (15.10.31).

     Trotz der Bemühungen, trotz aller bekundeten Vorsätze, trotz der Warnungen und Drohungen blieb auch das Jahr 1932 im Zeichen der Uneinigkeit. Unruh machte immer wieder auf die negative Auswirkung des Streites aufmerksam. „Betrüblich ist, daß dort bei den Aussprachen doch nicht der völlige Friede erzielt worden ist,“ schrieb Unruh an die bürgerlichen und geistlichen Vorstände der Mennonitensiedlungen. „Betrüblich ist für uns ferner, daß man dort in Verkennung der ganzen Sachlage, vor allem der diplomatischen und politischen Hintergründe unserer ganzen Bewegung, durch Uneinigkeit namentlich unter den Führern, über die natürlich auch Nichtmennoniten hierher berichten, über die man in Berlin folglich recht gut informiert ist, nicht bloß der brasilianischen Ansiedlung schadet, sondern auch unserer ganzen großen heiligen Bruderhilfe“ (15.2.32).

     Etwas später schrieb Unruh: „In den Ämtern liegen vor allen Dingen offizielle Berichte aus Brasilien vor. Sodann sind in den Ämtern, vor allem auch im Reichskommissariat, Privatbriefe aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands zusammengeströmt, die von Ihnen dort an reichsdeutsche Freunde geschrieben worden sind... Sie würden wohl staunen, wenn ich Ihnen die Kopien solcher Briefe zuleitete... In diesen Briefen stehen klare und deutliche Sätze über die Uneinigkeit in Brasilien“ (16.3.32).

      Am Ende des Jahres mahnte Unruh noch einmal zum Frieden und zur Versöhnung. In einem Brief an H. Martins heißt es: „Du weißt, wie ich Deine Arbeit beurteile, wie ich auch die Arbeit der andern Brüder schätze, so vor allem die meines Freundes H.H. Löwen. Ich habe Freund Riediger gebeten, alles daranzusetzen, um Dich und Freund Löwen zu versöhnen. Wir hier sind der aufrichtigen Meinung, daß Ihr beide trotz Eurer Charakterverschiedenheiten mit Euren Kenntnissen und Fähigkeiten der ganzen Ansiedlung dienen solltet. Es ist nicht so, daß wir wünschen, einer von Euch oder Ihr beide solltet weichen. Wir sind nur der Meinung, daß Ihr beide einander die Hand und den Ansiedlungen Euren Kopf und Euer Herz geben solltet“ (23.12.32).

     Doch es kam weder zu einer ersprießlichen Versöhnung noch zu einer Siedlung ein Verwaltungsorgan zu schaffen.

     Heinrich Martins wurde zwar von einer Revisionskommission, die B.H. Unruh und das HDEB vorgeschlagen hatten, von jeglichem Verdacht freigesprochen: „... Die Revisionskommission weiß die Arbeit des Heinrich Martins zu schätzen... er hat sich in bezug auf Gelder keine Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen lassen,“ stellte die Kommission in einem Gutachten Ende Juni 1932 fest.

     Doch Martins war des Streites müde. Er führte noch eine Weile die sog. Hollandkasse und zog sich dann vollkommen aus der Öffentlichkeitsarbeit der Siedlungen zurück.

     Heinrich H. Löwen, der im Januar 1932 zum Vorsitzenden der „Vereinigung“ gewählt wurde, legte diesen Posten bald nieder und zog sich – wie Quiring es ausdrückte – in die Genossenschaft zurück, deren Bedeutung als einzige staatlich wirklich anerkannte Organisation im Steigen begriffen war.

 

Verwaltung zwischen Siedlungsnot und Illegalität

Siedlung ohne Verwaltung

     Auf der Mennonitischen Weltkonferenz in Holland vom 29. Juni bis 3. Juli 1936 gab Peter Klassen, der Vertreter der Mennoniten Brasiliens, einen Bericht. Über die Verwaltung der Siedlungen sagte er folgendes: „Bis in die letzten Tage hatten wir nur eine öffentlich registrierte Organisation, die wirtschaftliche Genossenschaft. Schon im Jahre 1931 wurde ein Versuch gemacht, in der ‚Vereinigung‘ alle Lebensgebiete der mennonitischen Siedlungen organisatorisch zu umfassen. Manche werden sich der veröffentlichten Statuten dieser ‚Vereinigung‘ erinnern. Letztere ist aber nie juristische Person geworden. Das Haus war wohl auch etwas zu groß gebaut. Ein Rest jenes Versuches ist in dem Posten des Siedlungsleiters geblieben, der als Vertrauensmann der Siedlung und der Organisationen in Europa die Siedlung vertritt.“¹

     Was Klassen zum Ausdruck bringt, ist die Zwiespältigkeit, in der die Mennoniten Brasiliens nach dem Versagen der „Vereinigung“ verwaltungsmäßig gelebt haben. Sie hatten einerseits erkannt, daß das so ersehnte straffe Oberschulzensystem sich in Brasilien legal nicht vertreten ließ. Andererseits stellte das immer noch bestehende Gemeinschaftsleben und das mennonitische Gruppenbewußtsein der Siedler sehr hohe Ansprüche an Führungskräfte, die gegen den kulturellen und sozialen Verfall auftreten und für Ordnung und Sicherheit sorgen sollten.

     Dieser Zwiespalt, der nach dem Scheitern des ersten Versuches besonders weit klaffte, hatte dazu geführt, daß sich eine gewisse Lähmung und Resignation breitmachte, eine Zeit „ganz ohne Verwaltung“, wie Quiring es nennt, die bis September 1933 dauerte.

      1932 war Prediger Peter Klassen aus Oldeslohe in Deutschland mit seiner Familie nach Brasilien gekommen. Klassen stammte aus Rußland, hatte in einem Baptistenseminar in Hamburg studiert und dort geheiratet. In Oldeslohe führte das Ehepaar Klassen ein Kinderheim. B.H. Unruh kündigte ihn in Brasilien an: „Es wandert unser lieber Freund und Bruder Peter Klassen / Oldeslohe nach Brasilien aus, mit seiner ganzen Familie. Die Verhältnisse haben sich in Deutschland überhaupt und für ihn so zugespitzt, daß er das Kinderheim in Bad Oldeslohe nicht weiter halten konnte. Nun kommt er zu Ihnen, um mit seiner tüchtigen und edlen Frau Ihrer Siedlung zu dienen in dem Rahmen des Möglichen und wie er das mit Ihnen ohne unsere Mitwirkung und Verantwortung vereinbaren kann. Ich bitte Sie aber, daran zu denken, daß er für unsere Leute immer ein warmes Herz und viel Zeit hatte, daß er und seine Frau für unsere Brüder überall und immer getan haben, was in ihren Kräften stand. Ich möchte wünschen, daß der Eingang dieser Familie dort gesegnet sein möge“ (15.2.32).

     Peter Klassen wurde bald nach seiner Ankunft, wohl auch auf Empfehlung der europäischen Komitees, die ihn kannten, mit in die Verantwortung einbezogen. Er von der Krauel-Siedlung und Johann Riediger vom Stoltz-Plateau übernahmen in Ablösung von Heinrich Martins die „zeitweilige Verwaltung der Hollandkasse,“ wie es Walter Quiring beschreibt.

     Klassens Bedeutung für die Siedlung stieg dadurch, daß er aufgrund seiner Befähigung und Ausbildung die gesamte Korrespondenz mit den mennonitischen Stellen in Europa übernahm und damit den Lebensnerv für die Siedlungen.

     Daß er sich in dieser eigentlich ungeregelten Position, zumal noch zwischen den sich immer noch bekämpfenden Rivalen, nicht wohl fühlte, brachte er in einem Brief an B.H. Unruh zum Ausdruck: „Heinrich Martins steht... immer noch außerhalb der Leitung, bis einmal Dein letztes Wort gesprochen sein wird. Ich muntere ihn immer wieder auf, sich selbstlos in den Riß zu stellen... Ich sehe, daß ihm Türen offen stehen, die anderen verschlossen sind, besonders solchen pedantischen Menschen wie H.H. Löwen. Es ist furchtbar schade, daß die beiden nicht zusammengehen... Mein Dienst, nämlich der Puffer zu sein, ist auf die Dauer nicht befriedigend“ (20.1.33).

      Seine Sorge um die Siedlung hatte Peter Klassen auf einer Feier des „25. November“ 1932 zum Ausdruck gebracht: „Wenn dies auch ein Gedenktag ist, der einhämmern soll: Vergiß nicht! Es gibt Dinge, die müssen unbedingt vergessen werden, wenn nicht der einzelne, Familien und die ganze Siedlung Schaden an Leib und Seele nehmen sollen. Und viele nehmen schon Schaden.“

      Klassen wies auf manches hin, das vergessen werden sollte und dann besonders: „Laßt die inneren Streitigkeiten ganz dahinten. Laßt dahinten, womit ihr als einzelne und als Gesamtheit die äußere und innere Entwicklung der Ansiedlung gehemmt habt.“ Er mahnt, nicht nach dem Bruder zu schlagen, sondern sich auszustrecken nach dem, was da vorne ist. Dann folgt die Mahnung, an die Not zu denken, der man entronnen ist und an die Geschwister, die noch unter dieser Not so schrecklich leiden.

 

Die Wahl eines Siedlungsleiters

      Peter Klassen fühlte sich in seiner Position mit viel Verantwortung und wenig Einfluß, in die er durch die Gegebenheiten mehr oder weniger hineingeschlittert war, durchaus nicht wohl. An das Mitglied einer „deutschen Studienkommission“, Herrn Prof. Dr. Vageler, der die Siedlungen besucht hatte, schrieb Klassen: „Es gehört zu unsern größten Schwierigkeiten, daß wir gegenwärtig keine zentrale Stelle auf unserer Siedlung haben. Unser Mennonitenvolk ist ein durchaus demokratisches Volk. Es ist durch vierhundert Jahre auf dieser Linie geformt worden. Wir sind auch meistens gut gefahren. Hier hat uns freilich unsere Eigenart Nöte bereitet. Doch es ist das eine Sache, die wir unter uns klären müssen. Und doch – hätten wir eine strenge Zentralisation, vieles würde zum Wohl der Siedlungen zu machen sein. Aber ich glaube, daß wir hier bald Wandel schaffen können. Seit einem Jahr habe ich wohl eine Art Vertrauensposten in der ganzen Siedlung. Aber es ist eine Interimszeit...“ (21.5.33).

     Peter Klassen und sein Mitarbeiter Johann Riediger drängten darauf, aus dieser ungewissen, halbherzigen Situation herauszukommen, und sie strebten danach, für die Siedlungen auf dem Stoltz-Plateau und am Krauel eine gemeinsame zentrale Siedlungsverwaltung zu schaffen.

     Am 26. August 1933 war es endlich so weit. An diesem Tag fand eine „allgemeine Kraueler Bürgerversammlung“ statt, Ergebnis von Vorbesprechungen auf beiden Siedlungen.

     Nach Quirings Darstellung war das Wahlverfahren sehr kompliziert. Nicht etwa auf einer allgemeinen Siedlerversammlung sei gewählt worden. Jedes der Dörfer habe für sich allein gewählt. Die fünf gewählten Personen sollten dann unter sich einen Vorsitzenden, den Siedlungsleiter, wählen. Als Grundlage für die Arbeit sollten die abgeänderten Satzungen der „Vereinigung“ gelten. Der Vorsitzende sollte dann die beiden Siedlungen Witmarsum und Auhagen leiten.

      Als Eröffnung für die Sitzung am 26. August hielt Peter Klassen eine bezeichnende Rede, in der die ganze Not der Siedlungssituation zum Ausdruck kam.

     „Niemand glaube“, sagte er, „daß ein paar Menschen, die gerne einen Posten auf der Siedlung haben möchten, diese Wahlversammlungen veranlaßt haben. Der wäre ein sonderbarer Mensch, der sich in diesem Augenblick danach drängte, ein verantwortliches Amt in unserer Gesellschaft zu bekleiden. Wer in die Dinge tiefer hineinschaut, der könnte eher Angst vor irgend einem Auftrag bekommen.“

     Klassen beantwortet in seiner Rede von vier Schreibmaschinenseiten die Frage: „Warum müssen wir eine Leitung haben?“ Ihm sei in diesen Tagen gesagt worden: „Warum stört ihr uns in unserer Ruhe? Ihr paar Führer habt euch da wohl wieder gezankt, und nun wollt ihr uns Unschuldige alle wieder hineinziehen!“ Wer so rede, merke nichts von den ernsten Dingen, sagte Klassen.

      Dann folgten seine Antworten, die hier in knapper Zusammenfassung wiedergegeben werden sollen, weil sie deutlich machen, um was es bei all der Mühe um eine Verwaltung ging, trotz aller Mißgriffe und Fehlschläge:

 

„1. Weil unsere Siedlung eine mennonitische Einheit bildet. Wir kommen aus einem Land, wo ein ruhmreiches Stück mennonitischer Geschichte zu Grabe getragen wird. Die, die unseres Fleisches, Blutes und Geistes sind, liegen in den letzten Zuckungen... Und wir, die wir doch die Möglichkeit haben, uns als Einheit aufzubauen, wollen wir Selbstmord begehen?... Es fragt sich, ob wir unserer Väter wert sein wollen...

2. Weil wir hier als kleines mennonitisches Völkchen dem Zerfall entgegengehen, wenn wir nicht alle guten Kräfte zusammenfassen. Wir sind in eine ganz fremde Welt gestellt, herausgerissen aus einem Land, das uns fast anderthalb Jahrhunderte Heimat war... Die Wurzellosigkeit birgt viele Gefahren in sich, nicht zuletzt die, daß sie in Zügellosigkeit ausartet... Wer sich aber vom Ganzen löst, verliert leicht auch jeden andern Halt. Besonders tragisch ist die Sache für die Jugend... Wir können von der Jugend nur dann Zucht erwarten, wenn wir uns selber in Zucht nehmen...

3. Wir brauchen eine Leitung als Vertreter unserer Gesellschaft vor amtlichen Stellen in Brasilien.. Wir werden es nie vergessen, wie bereitwillig Brasilien uns die Arme entgegenstreckte, als Nordamerika uns nicht haben wollte. Wir müssen unserer brasilianischen Regierung gegenüber stets loyale Bürger sein. Wollen wir das sein, so haben wir uns um die Gesetze des Landes zu kümmern und uns nach ihnen zu richten. Wir brauchen eine Vertretung, die unsere speziellen mennonitischen Wünsche vor einer hohen brasilianischen Regierung vorbringt..

4. Wir brauchen eine Leitung, weil wir ständigen Kontakt mit den Stellen haben müssen, denen gegenüber wir starke Verpflichtungen eingegangen sind: in erster Linie Herrn Prof. B.H. Unruh, dann dem holländischen Emigrantenbüro, den anderen mennonitischen Hilfsorganisationen, vermittelbar auch dem Deutschen Reich... Wir haben es, was unsere Verpflichtungen anbelangt, in der Hauptsache mit Herrn Prof. Unruh zu tun. Er nun will mit einer ordnungsgemäßen Siedlungsleitung verkehren, der er dann auch seine Vollmachten von Zeit zu Zeit weitergeben kann... Es gilt, mit Gottes Hilfe einen Schritt weiter auf dem Weg unserer Siedlung zu tun.“

      Mit der Versammlung am 26. August und der Rede von Peter Klassen wurden die Wahlen, die dann in den Ortschaften durchgeführt werden sollten, eingeleitet. Die fünf Personen, die aus dem Wahlgang hervorgingen, waren Johann Riediger und Franz Fast von Auhagen und Heinrich Martins,² Jakob Hübert und Peter Klassen vom Krauel. Bei der Wahl des Vorsitzenden hatten Johann Riediger und Peter Klassen Stimmengleichheit. Da Riediger ablehnte, wurde Klassen Vorsitzender, nun „Siedlungsleiter“ genannt. Mit Rücksicht auf die Komitees in Europa wurde Heinrich Martins Schriftführer und Verwalter der Hollandkasse.

     Die Wahl von Martins war eine strikte Forderung von B.H. Unruh, auf die weiter unten noch eingegangen werden wird.

     Nach der Darstellung von Walter Quiring führten jedoch auch diese Wahlen bei allem guten Willen nicht zu der angestrebten Stabilität der Verwaltung. „Schon nach wenigen Monaten wird diese Verwaltungsform wieder geändert,“ schreibt er in seinem Entwurf.

     „Auhagen hatte sich bereits 1933 einen eigenen Oberschulzen gewählt und damit den Willen bekundet, sich in Sachen der Verwaltung von Witmarsum unabhängig zu machen. Im Februar 1934 wählte auch die obere Krauelsiedlung einen Oberschulzen. Die Siedlungsverwaltung wird damit stillschweigend fallengelassen, obwohl Peter Klassen nach außen auch weiter als Siedlungsleiter gilt. Nach dem Ausscheiden von Martins 1934 ist Peter Klassen auch wieder Vertrauensmann und Verwalter der Hollandkasse. Doch die beiden Oberschulzen haben eigentlich keine richtige Funktion.“ Nach Quiring lag die eigentliche Führungsgewalt in der Genossenschaft und hier wieder in Händen von Heinrich H. Löwen.

     „Übrigens sind die Kolonisten auf der Ansiedlung des ewigen Wählens müde,“ heißt es zusammenfassend bei Quiring. „Sie verlieren immer mehr das Interesse an der Verwaltung ihrer Ansiedlung. Immer mehr Siedler ziehen sich enttäuscht und verärgert auf ihre Kolonien zurück und wünschen nichts sehnlicher, als endlich in Ruhe gelassen zu werden... – Auch will die Kritik über alle die vielen Verwaltungsformen und über die Art und Weise, wie die Wahlen dabei manchmal durchgedrückt werden, nicht verstummen.“

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Fortsetzung folgt​​​

 

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