Menonitas no Brasil
Mennoniten in Brasilien
Nachrichten und Mennonitische Geschichte
02.03.2026
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Editor: Udo Siemens
Nova edição: segundas, às 13 hs

Es ist uns heute vollkommen unmöglich, uns in die Zeit unserer Einwandererväter zu versetzen. Im Bild sehen wir, wie sie von einer Feier nach Hause fahren. Sie waren im Gottesdienst, geistlich gestärkt kehren sie nun in ihren Alltag zurück. Auf Pferdefuhrwerken. Zu Hause gibt es nicht mehr als 1 Kuh. Wer 2 hatte, war "reich". Er hatte etwas von Deutschland mitgebracht, wofür er die zweite eintauschen konnte. Sie konnten keine Pflüge gebrauchen. Alles musste mit der Hacke gepflanzt und gesäubert werden. Das gab so wenig her, dass die Stoltzplateauer (dort waren die Bäumer härter und der Boden ärmer) lieber bald wegzogen nach Curitiba, Ponta Grossa, usw.
Es hat auch andere Kolonien von deutschen Einwanderern gegeben. Die sind an dem Ort geblieben, auf den sie zuerst gesetzt wurden. In den Mennoniten aber ist eine Unruhe nach "mehr". Die Zukunftsaussichten waren ihnen dort zu eng und gering.
Die Mennoniten Brasiliens sterben aus
Ihre Geschichte aber bleibt.
Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.
Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!
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Die Mennoniten Brasiliens sterben aus
Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.
Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!
Teil 5
Unsere liebe Dichterin, Elisabeth Töws, war sehr aufgebracht nach dem Erscheinen des Buches. Sie klagt in Bibel und Pflug:
"Es fehlen Einfühlungsvermögen und Erfahrungen aus dem wirklichen Leben: Das Miterleben der Menschenschicksale, die Erfahrungen der einzelnen Personen aus dem täglichen Leben jener Siedler. Hätte man solche zu Lebzeiten der alten Pioniere in den Häusern gesammelt, so würden nun nicht nur die negativen Seiten beschrieben sein. Jedes Menschenleben hat Licht und Schattenseiten, jeder Mensch hat Gutes zu verzeichnen aus seinem Leben. Warum war man hier so sehr bemüht nur Negatives zu beleuchten, oder besser gesagt nur von einzelnen Personen die guten Seiten hervorzuheben?
Wir haben fast alle zwanzig Jahre dort gelebt, warum hat man uns nicht nach unseren Erlebnissen und Erfahrungen gefragt, anstatt nur die nüchternen alten Akten hervorzukramen? Es leben noch genug Nachkommen jener Siedler hier und in Witmarsum, und wir denken, daß wir alle noch das Bild unsrer Heimat beschreiben könnten. So wie es wirklich gewesen ist. Nie haben wir in unserm Elternhaus etwas von Streit und Unzufriedenheit gehört. Unsere Eltern und Lehrer haben versucht, uns eine gute Erziehung zu geben, trotz aller schweren Alltagssorgen ums tägliche Brot."
Sie nennt nicht die Namen derer, von denen NUR Schattenseiten beleuchtet werden oder die Namen derer von denen NUR "die guten Seiten" hervorgehoben werden.
Ich würde mich heute gerne zu ihr setzen und bitten: erzähl mir doch, liebe Elisabeth, die andere Seite dieser Personen. Du hast sie ja aus der Nähe, im Alltag kennengelernt! Das kann ein Schreiber aus Paraguay tatsächlich nicht erraten, denn er muss die Geschichte schreiben anhand von Briefen und Gemeindeprotokollen und die sind wirklich oft sehr einseitig.
Die Siedlung auf dem Stoltz-Plateau
Auhagen
Die zweite Siedlung der Mennoniten in Santa Catarina stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Heinrich H. Löwen, einer der führenden Männer, schrieb darüber 1936, als die Siedlung bereits im Zeichen der Auflösung stand: "Es war ein großer Fehler, daß man uns auf zwei räumlich 40 km voneinander entfernten Stellen ansiedelte, und zwar die ersten drei großen Transporte am Krauel und die nachkommenden auf dem Stoltz-Plateau. Ich sage, 'man', denn wer die Schuld daran trägt, ob der Bevollmächtigte des Deutschen Reiches Dr. Lange oder die Direktion der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft, können wir nicht feststellen, es ist ja für uns auch belanglos. Wir glauben aber, es ist berechtigt anzunehmen, daß beide Teile dafür gleich verantwortlich zu machen sind.
Der Protest eines Transportführers gegen die Verbringung seiner Leute an einen zweiten Ort blieb unberücksichtigt, und so war die Scheidung entgegen unserm sehnlichsten Wunsch vollendete Tatsache. Daß die beiden Siedlungen nun aber nicht Verbündete, sondern Rivalen wurden, die sich gelegentlich auch harte Worte sagten, war unsere eigene Schuld, die ihren Ursprung in unserer Habsucht und Abgunst hatte. Wieviel Verdruß wäre uns erspart geblieben, wenn die Direktion uns auf einer Stelle angesiedelt hätte!"
Wo die Ursache für diesen offensichtlichen Fehler liegt, ist heute wohl noch schwieriger festzustellen als 1936. Tatsache jedenfalls war, daß das Kraueltal sich bereits mit den ersten drei Transporten gefüllt hatte. Vielleicht lag die Ursache für das Mißgeschick in der überstürzten Wahl des Kraueltales bei der Ankunft des ersten Transportes, vielleicht sogar schon in dem Entscheidungsdruck nach der Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland. Zu dieser Ansicht gelangte auch Harold S. Bender. Die deutsche Regierung habe einerseits durch das Landangebot der unter ihrem Einfluß stehenden Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft auf eine schnelle Entscheidung gedrängt. Die Mennoniten hätten ihrerseits eine geschlossene Siedlung gewünscht. Dafür war dann letztlich das Kraueltal zu klein, und die HKG bestimmte die weitere Ansiedlung auf dem Stoltz-Plateau.
Zu dem Resultat, daß die überstürzte Übersiedlung die Ursache für den Mißgriff sei, kam auch Walter Quiring in seinem Entwurf für ein Manuskript 1937. Die HKG habe Heinrich Martins gegenüber versichert, daß sie die Mennoniten am Rio Dollmann angesiedelt hätte (Hier), wenn die Zahl der Familien von Anfang an bekannt gewesen wäre. Ob dort allerdings eine geschlossene Siedlung garantiert gewesen wäre, wird nicht klar. So kollidierten 1930 Interessen und Möglichkeiten, und es stand wenig Zeit für eine sorgfältige Planung und Organisation zur Verfügung.
Viel später, als die Siedlung auf dem Stoltz-Plateau schon im Zusammenbruch war, griff Benjamin H. Unruh die Frage jener Entscheidung noch einmal auf, weil von den Siedlern harte Anklagen und Vorwürfe laut wurden.
Unruh war zu Ohren gekommen, daß die Siedler den Regierungsrat Dr. Lange, der im Auftrag der Reichsregierung beim Siedlungsunternehmen tätig war, beschuldigten, daß er sich von der HKG habe bestechen lassen, das Land auf dem Stoltz-Plateau zu akzeptieren.
Unruh wurde böse über diese Anklage: "Ich muß hier betonen, daß diese Ehrabschneiderei diesseits den allerschlechtesten Eindruck gemacht hat. Es ist unerhört, daß Leute, bei denen jedes zweite Wort Wehrlosigkeit ist, derartige Dinge verbreiten und damit unser Verhältnis zu den außermennonitischen Personen und Stellen zerstören."
Dr. Lange habe den Auftrag gehabt, die Siedlungsmöglichkeiten für die Mennoniten, die im Kraueltal nicht mehr Platz fanden, zu prüfen. Zur Wahl standen drei Gebiete: am Rio Dona Emma, das Stoltz-Plateau und am Alto Rio Dollmann, Lange habe sich für das Plateau entschieden, weil es ihm für eine geschlossene Siedlung von 80 bis 100 Familien besonders geeignet schien. Lange habe mit der Siedlung Auhagen durchaus einen guten Erfolg erringen wollen.
Die HKG sei eher gegen eine Besiedlung des Stoltz-Plateaus gewesen, weil sie es für einen Naturpark erhalten wollte.
Zu der entfernten Lage des Stoltz-Plateaus von der Hauptsiedlung am Krauel kamen noch einige weitere ungünstige Faktoren hinzu.
Den Berichten zufolge kann der Eindruck entstehen, daß es doch ein Experiment der HKG war, Siedler auf ein Plateau zu bringen. David Koop, einer der Ansiedler auf dem Plateau, schrieb, daß bis dahin nur in Tälern gesiedelt wurde. "Die Siedler der umliegenden Täler warnten uns, wir sollten da nicht siedeln; denn das Land sei für Landwirtschaft nicht geeignet. Die Täler, wohin das Wasser von den Bergrücken ablief, seien fruchtbar, aber die Bergrücken seien unfruchtbar."
Das Stoltz-Plateau hat seinen Namen nach G. Christian Stoltz, einer Hamburger Quakerfamilie, die hier einmal siedelte. Der Aufstieg erfolgte vom Rio Emma-Tal, und er war durch die vielen Kehren und Kurven außerordentlich lang und beschwerlich.
Das Plateau selbst bildete drei große nach Osten gerichtete Lappen, die ihre Namen nach den ins Tal strömenden Bächen erhalten hatten: Ana im Norden, Urú in der Mitte und Paca im Süden. Hans Klassen erklärt diese Namen, die gleichzeitig als Namen für die drei dort angelegten Dörfer angenommen wurden: "Ana oder Anna hieß die Frau eines Landmessers, Urú bezeichnet einen Vogel und Paca ist eine Art Tapir, ein beliebtes Objekt für Jäger."
Die Siedlung auf dem Stoltz-Plateau erhielt den Namen Auhagen. Der Lehrer David Enns erklärte den Lesern des "Boten" die Namengebung: Es sei der unvergessene Professor Otto Auhagen, der Helfer in Moskau, den die Siedler ehren wollten.
Das Verhängnis für diese Ansiedlung war aber wohl nicht in erster Linie die separate Lage und die beschwerliche Zufahrt, obwohl auch dies schwer ins Gewicht fiel. Vom Fuß des Plateaus und den Ortschaften im Dona Emma-Tal dauerte der Aufstieg nur eine Stunde. Doch er war steil und nur zu Fuß möglich. Oft brachten Trägerkolonnen hier das Notwendigste aus dem Tal nach oben. Ein Pferdefuhrwerk dagegen brauchte sechs Stunden, um auf den vielen Windungen und Kurven auf die Ansiedlung zu gelangen.
Das größere und entscheidende Hindernis war aber der Ackerboden. "Der Boden war brandig", schrieb Hans Klassen, "Aipim und Mandioka faulten. Abschüssig nach beiden Seiten, schwemmte die Pflanzerde ab, so daß der Maisertrag gering war." Damit wurden die zwei Hauptnahrungsmittel knapp.
Das Holz auf dem Plateau war wohl härter und wertvoller als das in den Tälern, aber es kam für den Verkauf nur bedingt in Frage, da die "Rollen" auf der Straße mit Haarnadelkurven kaum zu transportieren waren. Erst später benutzte man einen Felsspalt, genetzt von einer Quelle, wo man die Stämme ins Tal abgleiten ließ. Als der Holzbestand jedoch erschöpft war, war auch die letzte Einnahmequelle versiegt.
"Die Brücke" publizierte eine Statistik von Ende November 1932, als die beiden Siedlungen sich wohl auf dem Hochstand ihrer Einwohnerzahl befanden.
1934 traf zwar noch die Harbiner Gruppe ein, die sich zum größeren Teil am Krauel niederließ, doch aus Auhagen waren zu diesem Zeitpunkt schon viele Familien abgewandert.
Die Siedlungsform im Urwald
Heinrich Martins schrieb bald nach der Ankunft in Brasilien einen Brief an Peter Klassen, den späteren Siedlungsleiter, der damals noch in Deutschland wohnte, mit einem ausführlichen Lagebericht. Er macht darin auch einen Vergleich mit der Gruppe, die nach Paraguay gegangen war, weil manche Ankömmlinge in Brasilien unglücklich waren, daß sie nicht doch lieber Paraguay gewählt hatten. Der Hauptgrund dafür: "Die Paraguayer haben einen großen Vorzug, in geschlossenen Dörfern zu wohnen. Bei uns läßt sich das nicht machen." Martins schränkt dann ein, daß man sich allgemein einig sei, mit den Paraguayern doch nicht tauschen zu wollen. "Es ist nicht schwer, sich an ein Kolonieleben zu gewöhnen, wo man sein eigener Herr ist" (19.6.30).
Martins hatte mit dieser Bemerkung jedoch einen Faktor angesprochen, der im mennonitischen Kolonisationswesen eine besondere Bedeutung hatte und der dann auch in den Mennonitensiedlungen Brasiliens eine Rolle spielte. Vielleicht wurde er sogar zum unerfüllten Wunschbild, das dann unterschwellig seine Auswirkungen zeigte.
Das geschlossene mennonitische Dorf war die Siedlungsform in Rußland gewesen, durch das Kolonialgesetz der Zaren verordnet und abgesichert und durch mehr als hundert Jahre praktiziert. Das geschlossene Dorf hatte sich so eng mit der Lebensform und zum Teil sogar mit der Gemeindeordnung verzahnt, daß es in Paraguay, wo sich die Möglichkeit dafür bot, unverändert wieder seine Anwendung fand. Bei den in Kanada eingewanderten Mennoniten, vor allem bei der konservativen Gruppe, die Rußland 1874 verließ, kollidierte das russische Siedlungssystem mit dem Farmsystem, und sie taten sich sehr schwer, ihr vertrautes Dorfmodell aufzugeben.
Hinzu kam die von Rußland her bekannte Form des gemeinschaftlichen Landbesitzes, die dort die Geschlossenheit der Siedlung garantierte. Nur solche Bauern durften im Dorf wohnen, die von der Dorfschaft aufgenommen wurden. Auch diese Besonderheit der Siedlungsform hatte in Paraguay ihre Fortsetzung gefunden. In Brasilien dagegen war jeder Kolonist Besitzer seiner Kolonie, durch eigenen Landtitel abgesichert.
Die geschlossene Dorfsiedlung war nicht nur ein mennonitisches, sondern ein allgemein rußlanddeutsches Siedlungsprinzip gewesen. Pfarrer Brepohl aus Ponta Grossa schreibt über die Wolgadeutschen in Paraná: "Die geschlossenen Siedlungen... sind den Wolgadeutschen in Fleisch und Blut übergegangene Lebensbedingung, die sie auch in Südamerika benötigten. Erstaunlich ist, daß die Regierung Kaiser Dom Pedros II. dieser Eigenart der Wolgadeutschen von vorneherein Rechnung trug und davon absah, daß sie, wie es sonst in Südamerika allgemein üblich ist, jeder auf seinem Grund wohnen sollten. So entstanden auch in Paraná die in sich geschlossenen "rußlanddeutschen" Kolonien, deren eigenartiger Charakter jedem Besucher Paranás sofort auffällt und auf ihn einen guten Eindruck macht."
Bei der Ansiedlung der Mennoniten in Santa Catarina war das nicht - oder nicht mehr - möglich. Jedenfalls berichtete Pastor Gorter auf der Welthilfskonferenz in Danzig 1930, "daß unsere Leute am Krauel in einer langgestreckten Siedlung wohnen. Von einem eigentlichen Dorf ist also keine Rede, jeder wohnt auf seiner eigenen Farm."
Horst Penner bezeichnet diese Siedlungsform am Krauel als "eine Art Waldhufendorf".
So war es am Krauel und auf dem Stoltz-Plateau, und die Siedler fanden sich damit ab. Auf die Entwicklung der Siedlungen hat diese Siedlungsform jedoch einen gravierenden Einfluß gehabt. Einmal waren es die großen Entfernungen in der Siedlung, die das von Rußland her gewohnte Gemeinschaftsleben eines Dorfes erschwerten. Zum andern förderte das, was Martins "sein eigener Herr sein" nennt, auch den Individualismus unter den Siedlern. Auf diesen Umstand weist auch J. Winfield Fretz hin, und er meint, daß sich diese Eigenart dann später in Curitiba, wohin viele Siedler abwanderten, noch stärker ausgeprägt habe.
In dem späteren Kampf um die Erhaltung der Siedlungen spielte diese auch durch die Struktur der Siedlung gegebene Unabhängigkeit der einzelnen eine schwerwiegende Rolle. Die Siedler setzten sich über verbindliche Beschlüsse der Siedlerversammlung hinweg und verkauften ihre Kolonien an Nichtmennoniten. Das traf den Nerv der angestrebten "mennnonitischen Gemeinschaft."
All die erwähnten Umstände, die zur Gründung der Mennonitensiedlungen in Santa Catarina geführt haben, dann aber besonders auch die eigenartigen siedlungsgeographischen Gegebenheiten, haben das Schicksal dieser Siedlungen entscheidend mitbestimmt. Ein sehr wesentlicher Faktor dabel war aber auch der Hintergrund der Siedler selbst mit ganz bestimmten Vorstellungen, Erwartungen und Idealen. Die Siedler und ihre Führungskräfte mußten sich einerseits mit den Gegebenheiten in ihrer neuen Umwelt abfinden. Andererseits schwebte ihnen das Erinnerungsbild von der geschlossenen, selbstverwalteten Mennonitensiedlung, wie sie in Rußland bis zur Revolution selbstverständlich gewesen war, noch Jahrzehnte vor Augen.
Die Versorgung der Einwanderer
Betreuung durch die Hanseatische Kolonisationsgesellschaft
und durch die deutsche Reichsregierung
In der deutschsprachigen Literatur über die deutsche Einwanderung in Brasilien wird der HKG eine große Bedeutung und viel organisatorisches Talent zugesprochen. Auch die 1930 eingewanderten Mennoniten fühlten sich jedenfalls bei ihrer Ankunft - unter ihrer Organisation und ihrem Schutz sicher.
Der Gruppenleiter Heinrich Martins schrieb gleich nach der Ankunft auf dem Siedlungsland über die HKG, und er brachte sie in enge Verbindung mit der deutschen Regierung: "Das ist mir klar, wenn die Unterstützung von seiten der deutschen Regierung in allen Transporten dementsprechend durchgeführt wird wie bei uns, bei diesem freundlichen Entgegenkommen der Hansadirektion, dann kann ich mit ruhigem Herzen eine Einwanderung in die Hansa empfehlen . . . Die Hansa-Kolonie kann heute noch recht viele Familien aufnehmen, sie hat gut Platz für noch 500 Familien, wenn das Land auch noch nicht ganz vermessen ist, z.T. sogar noch unerforscht. Nach dem Eintreffen des 2. und 3. Transportes will der Direktor Herr Meckien in Begleitung seines Ingenieurs mit mir die für die nächsten Transporte in Frage kommenden Ländereien untersuchen... Auf jeden Fall ziehe ich eine Ansiedlung in der Hansa jeder Ansiedlung in einem andern Staat Brasiliens vor... Hier in der Hansa wissen wir, was wir haben, und die Direktion hat unser volles Vertrauen."
Das große Vertrauen von Martins in die HKG war sicher nicht unbegründet. Karl H. Oberacker jr. schreibt, daß sich in der seit 1897 tätigen Gesellschaft die verschiedenen Koloniedirektoren in der Kolonie Hansa- Hammonia geradezu mustergültig eingesetzt hätten. "Kolonistensöhne aus den älteren Siedlungen und Neueinwanderer aus dem deutschsprachigen Raum Europas leisteten hier eine vorbildliche kolonisatorische Arbeit. Schon bald entstanden blühende Ausstrahlungszentren wie Hammonia (Ibirama), Neu-Berlin, Neu-Breslau (ursprünglich Neu-Zürich und heute Presidente Getulio), Neu-Bremen, Neu-Stettin und Dona Emma. Zu Beginn des dritten Jahrzehnts zählte dieses Gebiet bereits 12.000 Einwohner. 1936 lebten allein im Munizip Ibirama 15.440 Menschen. Das Urwaldgebiet am Südarm des Itajahy wurde durch verschiedene deutsche Kolonisatoren und kleinere Unternehmer der Wirtschaft und Kultur erschlossen." Durch die Tätigkeit der HKG entstanden in Santa Catarina zwei bedeutende Kulturmittelpunkte: Hansa-Hammonia (Ibirama) mit 130.000 ha und Hansa - Humboldt (Corupá) mit 50.000 ha.3
Nach eigenen Angaben bot die HKG das ihr zur Verfügung gestellte Land den Interessenten zum Kauf an, jeweils eine Kolonie von 15 bis 30 ha, wie bereits beschrieben wurde. "Der Kaufpreis ist zahlbar in fünf Jahren, und zwar in fünf gleichen Jahresraten. Teilzahlungen werden jedoch zu jeder Zeit angenommen. Vom Kauftag ab ist der Kaufpreis mit 7% zu verzinsen... Die Auszahlungsfrist kann ausnahmsweise verlängert werden, doch dann wird der Zinsfuß in den aufeinanderfolgenden Jahren auf 8, 9 bis zu 12% erhöht." Die HKG kam den Landkäufern dadurch entgegen, daß die Landschuldner beim Wege- und Brückenbau, den die Gesellschaft in ihrem Bereich durchführte, den Vorzug erhielten, einen Teil ihrer Schuld durch Arbeit abzutragen."
Gerade der Straßenbau, den die HKG im Interesse der Siedler durchführte, hatte in dem noch weitgehend unerschlossenen Urwaldgebiet eine große Bedeutung. Nach einem "Unterrichtsschreiben" der Direktion im Jahre 1935 hatte das verzweigte Straßennetz im Kolonisationsgebiet eine Ausdehnung von 538 Kilometern. Die Santa Catarina-Eisenbahn, noch vor dem Ersten Weltkrieg von der HKG gebaut, führte mit 70 Kilometern Länge von Blumenau nach Hammonia. Durch die Enteignung im Krieg wurde der geplante Weiterbau verhindert.
Die Übernahme der mennonitischen Flüchtlinge durch die HKG war von der deutschen Reichsregierung sehr stark gefördert worden, und vor allem auch die holländischen Mennoniten sahen darin eine gute und sichere Lösung. Pastor Gorter berichtete darüber auf der Mennonitischen Weltkonferenz in Danzig 1930. Der Direktor der Gesellschaft Herr Meckien und der deutsche Reichskommissar Dr. Lange hätten ihm aus Brasilien geschrieben, und das Urteil über die eingewanderten Mennoniten sei sehr positiv. Nach Meckiens Urteil gehörten die Mennoniten ihrer hohen Moral wegen zu den meist geschätzten Kolonisten. Die HKG stände den Ansiedlern mit Rat und Tat zur Seite.
Lobend sind auch die Jahresberichte der HKG. Die Gesellschaft hatte mit Deutsch-Russen, wie die Flüchtlinge aus Rußland genannt wurden, bereits in den zwanziger Jahren gute Erfahrungen gemacht. Sie waren von den Kaffeeplantagen bei São Paulo in die Hansakolonie übergesiedelt. "Sie haben sich als fleißige und tüchtige Kolonisten bewährt, und wir hoffen, daß auch noch weitere solche Deutsch-Russen nach unsern Kolonien übersiedeln."
Diese guten Erfahrungen mögen auch der Grund dafür gewesen sein, daß die HKG nach dem Eintreffen der Flüchtlinge aus Moskau in Deutschland sofort ihr Interesse bekundete. Im Jahresbericht für 1929 vom April 1930 heißt es: "Als Ende vorigen Jahres mehrere tausend deutsche Flüchtlinge aus Rußland in Deutschland eintrafen, bemühten wir uns, diese als Ansiedler für unser Gebiet zu gewinnen. Allerdings bedeutet deren Ansiedlung bei der völligen Mittellosigkeit der Leute zunächst erhebliche finanzielle Opfer seitens der Gesellschaft, und es werden wahrscheinlich viele Jahre vergehen, bis von diesen Leuten Zahlungen auf Land zu erwarten sind. Da die Verwaltung von dem Zuzug dieser Leute eine Belebung des Wirtschaftslebens in der Kolonie zu erhoffen glaubt, erklärte sie sich bereit, diese Kolonisten aufzunehmen, nachdem sichergestellt war, daß sie bis zur ersten Ernte der Kolonie nicht zur Last fallen würden."
Diese Sicherheit hatte die deutsche Reichsregierung gegeben, einmal, um die Flüchtlinge möglichst schnell weiterbefördern zu können, zum andern wohl auch, weil maßgebende Personen der Regierung Mitglieder der HKG waren, wie oben schon einmal festgestellt.
Im Mai 1931 berichtete die HKG: "Die im vorigen Jahr bereits erwähnte Ansiedlung deutscher Flüchtlinge aus Rußland ist in diesem Jahr (1930) durchgeführt worden. Wenn auch angesichts der völligen Mittellosigkeit dieser Leute Zahlungen auf Land vorläufig nicht erfolgen konnten, so versprechen wir uns doch von diesem Zuzug ein gutes Ergebnis für die Kolonien; mit großem Eifer und Fleiß haben diese Leute die Koloniearbeit aufgenommen und nach den uns vorliegenden Berichten ist mit einem weiteren guten Fortkommen dieser Ansiedler zu rechnen. Zunächst haben von uns allerdings gesteigerte Aufwendungen für Vermessungen sowie Wegebauten gemacht werden müssen, wie solche auch noch in nächster Zeit zur Ausführung gelangen müssen. Insgesamt rechnen wir aber damit, daß diese Ansiedler als ein vorteilhafter Zuwachs für unsere Kolonie zu betrachten sind."
Im Jahresbericht für 1932 heißt es, daß sich die deutsch-russischen Siedlungen am Rio Krauel und auf dem Stoltz-Plateau trotz der ungünstigen Wirtschaftslage weiter gut entwickelt hätten. "In beiden Siedlungen reiht sich heute Haus an Haus, die ersten primitiven Wohnranchos sind fast ganz verschwunden... Auf diesen Siedlungen wird vorläufig fast noch geschlossene Binnenwirtschaft betrieben, so daß Bargeld kaum in die Hände der Kolonisten gelangt und infolgedessen auch Landabzahlungen in nennenswerten Beträgen noch nicht erfolgen konnten."
Die HKG war ein Geschäftsunternehmen, und sie hatte Geschäftsinteressen, auch bei der Ansiedlung der Mennoniten in Hansa-Hammonia. Sie ging auf die geforderten Zugeständnisse beim Zahlungsaufschub ein, weil die deutsche Reichsregierung Garantien gab, wie vermerkt, und weil sie sich von den erfahrungsgemäß tüchtigen Deutsch-Russen eine Aufwertung des Siedlungsunternehmens insgesamt versprach.
Die Reichsregierung löste ihre Zusage sehr wirksam ein. Dem in der Hansa-Kolonie amtierenden Direktor Bruno Meckien stellte sie den Regierungsrat Dr. Friedrich Lange als Berater für die Mennonitensiedlungen zur Seite. Alle Zuwendungen an Unterstützung liefen über das "Verwaltungsbüro Deutsch-Russenhilfe" in Hammonia.
Nach dem Bericht von Pastor Gorter in Danzig gab das Deutsche Reich einen Kredit für die Überfahrt der Flüchtlinge von Deutschland nach Brasilien und Verpflegung für ein halbes Jahr bis zur ersten Ernte. Die Ausrüstung mit den notwendigsten Gebrauchsgegenständen im Urwald vermittelte das Deutsche Rote Kreuz.
Die ausführlichen Berichte von Heinrich Martins über die Verpflegung wurden von Pfarrer Brepohl in einem "Landwirtschaftlichen Kalender" in Brasilien veröffentlicht. Durch Dr. Lange waren Spaten, Äxte, Foice, Facons, Kochkessel, Schöpfbecher, Laternen, Hacken und dergleichen an die Ankommenden verteilt worden, dann auch die Verpflegung in Produkten und Barmitteln.
Martins schreibt: "Die Berechnung ist folgende: Pro Vollesser in der Familie pro Tag Produkte im Wert von 1$000 (ein Milreis ungefähr 50 Pfg). Für jede Familie wird die wöchentliche Summe bestimmt. Zwei Drittel dieser Summe kommen in Produkten aus dem Lebensmitteldepot, ein Drittel in Bargeld. Dafür kann man sich Produkte kaufen, die im Depot nicht auf Lager sind... wie Milch, Aipim u.a., oder man kann dieses Bargeld aufsparen für Schweinchen, Hühner und dergleichen. 50 Pfg sind ja nicht viel, aber die Preise sind hier bedeutend billiger, so daß jede Familie gut auskommt mit ihrem 'pajok'. In sparsamen Familien, wo die Hausfrau geschickt im Speisezubereiten ist, kann unter Umständen das Bargeld übrigbleiben...
Herr Dr. Lange ist um uns bekümmert, wie vielleicht nicht jeder Vater um seine Kinder... Wenn auch gerade nicht Pflanzzeit ist, so hat Herr Dr. Lange dafür gesorgt, daß Aipim und Bataten für uns reichlich gepflanzt sind und noch werden, ebenso viele Arten Gemüse. Herr Dr. Lange geht noch weiter. Einen alten erprobten, erfahrenen Kolonisten hat er verpflichtet, etwa zehn Tage unter uns zu weilen und uns mit Rat zur Seite zu stehen. Wir können uns mit diesem alten Herrn beraten in jeder Frage unseres neuen Kolonistenlebens."
Martins stellt die Frage: "Warum tut Deutschland das? Was sind die Beweggründe, oder was erwartet Deutschland von uns in der Zukunft?"
Ein späterer Bericht ist weniger optimistisch: "Im Gegensatz zu einem meiner vorigen Briefe muß ich hier unterstreichen, daß wir aus den Verpflegungsgeldern nichts erübrigen werden. Mit steigender Arbeit kommt auch größerer Appetit, und - wir essen alles auf."
Doch das halbe Jahr war schnell herum, und das Verwaltungsbüro Deutsch-Russenhilfe machte schon im Oktober 1930 darauf aufmerksam, daß die Lieferungen reduziert oder ganz eingestellt werden würden. Man rät, den Verhältnissen Rechnung zu tragen und in reichlichen Mengen diejenigen Produkte anzubauen, die nach Ablauf der Lieferfrist geerntet werden können: schwarze Bohnen, Kartoffeln, alles Gemüse und Bataten. So kann man denn die Zeit bis zur Maisernte im April überbrücken. Auch empfiehlt das Büro, sich genossenschaftlich zusammenzuschließen, um den Übergang zur Eigenwirtschaft zu erleichtern. Dabei könnte der Zusammenschluß mit andern Genossenschaften dienlich sein.
Damit begann für die Siedler neben den Schwierigkeiten des Rodens und Bauens ein harter Existenzkampf um das nackte Leben.
Das anfangs gute Verhältnis zu Regierungsrat Dr. Lange, das besonders Martins immer wieder hervorhob, weist dann später Störungen auf. Die Ursache dafür waren Meinungsverschiedenheiten in der Verwaltung der zur Verfügung stehenden Gelder. Dr. Lange genoß das Vertrauen auch der holländischen Mennoniten, und Pastor Gorter aus Rotterdam hatte angewiesen, daß Dr. Lange auch die holländischen Hilfsgelder zu verwalten habe. Das führte zu Mißtrauen und Protest von seiten der Siedlungsleitung.
Martins machte dem "Doopsgezinden Emigranten Bureau" deutlich, daß die Vermittlung der Hilfsgelder durch Dr. Lange völlig überflüssig sei. Lange kassiere für seine Arbeit erhebliche Summen, die man gut für andere Zwecke einsetzen könne. Martins an Gorter: "Das Schwierigste bei der Sache sind die Gelder, die für Herrn Dr. Lange (Reise, Gage etc.) verausgabt werden, vollständig unnütz, weil auf eine viel billigere Art, um nicht zu sagen umsonst, dasselbe hier ohne Herrn Dr. Lange gemacht werden kann... Heute, wo hier solche Geldknappheit ist, wo eine ganze Reihe Familien unter uns im höchsten Grade noch unterstützungsbedürftig sind... assigniert das holländische Komitee für Herrn Dr. Lange eine monatliche Summe, die ausreichen würde, wohl sämtlichen Familien, die heute mit ihrer Existenz kämpfen, ein Minimum zukommen zu lassen, um ohne große Not, die sich heute bereits einstellt, bis zur nächsten Ernte durchzuhalten."
Martins beruft sich auf Herrn Meckien, mit dem er einer Meinung sei, daß Dr. Lange die Gelder nicht zweckmäßig verwende (24.6.31).
Aus einem Bericht von B.H.Unruh geht hervor, daß die Angelegenheit mit Dr. Lange sehr kompliziert war. Dem Reichskommissar Dr. Stücklen, dem die Beförderung und Betreuung der Deutsch-Russen unterstellt war, war sehr daran interessiert, daß Dr. Lange, der Anfang 1931 nach Deutschland zurückgekehrt war, wieder nach Brasilien ginge, um dort die Regierungsinteressen zu vertreten. Die großen Auslagen für die Flüchtlinge erforderten wohl diese Sicherheit. Stücklen wünschte aber, daß sich die mennonitischen Organisationen an den Kosten für Dr. Lange beteiligten. Unruh bewirkte nun, daß das Emigranten-Bureau in Rotterdam aus dem für die Mennoniten in Brasilien bewilligten Fonds 6 Monate lang RM 500.- im ganzen also RM 3.000.- an Dr. Lange zahlte. Von den zur Verfügung stehenden RM 18.000.- war das in den Augen der potentiellen Empfänger in Brasilien ein großer Betrag.
Die holländischen Mennoniten waren durch diese stark ineinander verzahnten Gegebenheiten zwischen zwei Stühle - Reichsregierung und brasilianische Mennoniten - geraten. Das geht aus einem Brief von Pastor Gorter hervor: "Daß Sie, Bruder Martins, den wir als unsern Vertrauensmann sehr hoch schätzen, auf derart gespanntem Fuß mit Herrn Dr. Lange standen, wie aus Ihren Briefen hervorging, hat uns sehr geschmerzt, weil wir, ganz abgesehen von seinen persönlichen Eigenschaften, den Herrn Dr. Lange als vorzüglichen Organisator zu würdigen wissen. Dies wiegt um so schwerer, weil sie ja selbst erkennen, kein guter Geschäftsmann zu sein. Es war nie unsere Absicht, daß Herr Dr. Lange als Diktator auftreten sollte, wir haben ihm keine derartige Vollmacht gegeben. Wir fragen uns jedoch, ob nicht die Siedler durch eine schroff ablehnende Haltung seinen Ratschlägen gegenüber teilweise selbst verschuldet haben, daß die Haltung des Dr. Lange sich änderte."
Gorter fordert Martins dann zu einer christlich-verträglichen Haltung auf. "In allen Ländern, wo Mennoniten leben, haben unsere Brüder die Augen auf unsere neue brasilianische Siedlung, welche sich anfangs so beispiellos glänzend entwickelte, gerichtet. Es wäre doch eine Schmach für die ganze Bruderschaft, wenn jetzt durch unsere Zwietracht und durch Streitigkeiten zwischen den Leitern die Weiterentwicklung gehemmt würde" (27.9.31).
Heinrich Martins gab darauf bei. Er schrieb an das HDEB: "Gestern abend fand mit Herrn Dr. Lange eine Aussprache und gleichzeitig eine Verständigung statt... Ich habe Herrn Dr. Lange in Gegenwart der andern Verwaltungs- und Aufsichtsratmitglieder gebeten, mein Verhalten gegen ihn zu entschuldigen. Daraufhin hat Dr. Lange mir die Hand gereicht. Gestützt auf diese Begebenheit, möchte ich auch vor dem holländischen Komitee ganz besonders alles das, was ich gegen Dr. Lange geschrieben habe, als ungesagt gelten lassen... Dieser Meinung schließen sich auch die andern Brüder des Präsidiums der Vereinigung an" (31.10.31).
Trotz dieser Miẞstimmungen kann festgestellt werden, daß der jungen Siedlung durch die Organisation der HKG und die Hilfe von seiten der deutschen Reichsregierung sehr wirksam geholfen worden ist. Die gute Organisation der Mennoniten selbst als traditionell verbundene Gemeinschaft hat dabei in partnerschaftlicher Zusammenarbeit das Ihrige dazu beigetragen.
Von manchen Seiten wurde auf diese Besonderheit, auf die "glänzende Entwicklung", wie Pastor Gorter schrieb, hingewiesen. Hilfeleistung und gute Anwendung der Hilfeleistung waren dafür sicher maßgebend. Neid und Mißgunst von anderen Siedlungen der Hansa, die weniger gut organisiert waren und nicht so gefördert wurden, blieben nicht aus.
Daß dann die anfängliche Begeisterung und Dankbarkeit gelegentlich und dann stärker in Miẞstimmung und Anklagen umschlugen, war der sich steigernden Siedlungsnot zuzuschreiben. Die zugesagte halbjährige Versorgung bis zur ersten Ernte reichte für das schwierige Siedlungsunternehmen im Urwald nicht aus.
Fortsetzung folgt
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- Ein Besuch bei den Amischen Mennoniten -Dr. Kornelius Krahn - Hier
- Die vielfältigen Rollen der Mennoniten im Holocaust Hier
- Helene Berg - mennonitische Hebamme in Molotschna, eine gute Bekannte Himmlers, ein Naziführer Hier
- Amalie Reimer - aus Chortitza, Mennonitin, Agentin der Kommunisten, Kollaborateurin der Nazis. Hier
-Ak-Metschet - eine Mennonitenkolonie im fernen Asien Hier
-Geschichten aus unserer Geschichte Hier
- "Geschichten aus der Geschichte der Mennoniten"
Das Programm vom Jahr 2025 - Hier
Das Programm vom Jahr 2024, - Hier
Das Programm vom Jahr 2023 - Hier
Texte, die über Whatsapp angefordert werden können:
-Schreckenstage in Moskau Was unsere Eltern in jenen Novembertagen erlebt haben anhand von Berichten der Mennonitischen Rundschau
- Die hutterischen Brüder - Wanderungen und Leid
- Texte:Brautschau eines Predigers, Gehen Mennoniten in der Stadt unter?, u.a.m.
-Die Mennoniten Russlands und die Zaren
-Das tragische Ende der Danzig- Westpreußischen Mennoniten Gemeinden
-Turkestan-Eine mennonitische Auswanderung mit Folgen
- Die Autobiographie Wilhelm Hüberts
- Mennoniten in Polen/Preussen
- Die erste Auswanderung der Mennoniten nach Südrussland
- Tagebuch aus dem Reich des Totentanzes - Ein Bericht über die Zeit von Machnos Terror unter den Mennoniten
- Erinnerungen aus dem alten und neuen Rußland
- Besuch bei den Aultkolonia, Bolivien
- Mennoniten und die Herstellung von alkoholischen Getränken in Russland
- Erinnerungen an Moskau, 1929, Heinrich Martins
- Schwere Verbrechen und Vergehen in Russland
- Was macht mennonitische Beerdigungen so einzigartig?
- Mennonitische Namen
- Reisen eines Schweizers nach Südrussland, 1822-1828
- Über die Abspaltung der Sectierer. Geschichte der Gründung der MBG in Russland in den Augen eines Aussenseiters
- Die Reise von Charbin zum Chaco - Irmgards Vorfahre erzählt dieses Abenteuer
- Lehrer Heinrich Heese (1787-1868) -Die Widerwärtigkeiten eines bedeutenden Lehrers unter den Mennoniten Russlands
-Als der Weltkrieg zu Ende ging, welche Nachrichten unsere Eltern bewegten
- Der "Stundismus" - Eine evangelische (rein russische) Erweckung zur Zeit der Mennoniten in Russland