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Menonitas no Brasil

Mennoniten in Brasilien

   Nachrichten und Mennonitische Geschichte 

16.02.2026


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Editor: Udo Siemens

Nova edição: segundas, às 13 hs

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Nota de Falecimento: Hoje de madrugada  faleceu o Sr. Arthur Penner, aos 92 anos.
O culto de despedida será amanhã, segunda-feira, às 10:30 na Igreja Irmãos Mennonitas do Boqueirão (Cruz Verde).


Die Mennoniten Brasiliens sterben aus

Ihre Geschichte aber bleibt.
Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.
Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!


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Die Mennoniten Brasiliens sterben aus

Ihre Geschichte aber bleibt.

Peter Klassen, Paraguay, hat sie aufgezeichnet.

Schauen wir uns Teile daraus noch mal an!

Teil 3

  

      Nachdem Peter Klassen die Geschichte der brasilianischen Mennoniten geschrieben hatte, stellte er fest: "Nirgendwo sonst hat die Entwicklung einer der mennonitischen Wandergruppen einen so eigenwilligen Weg gefunden wie hier."

      Die ursprünglichen Gemeinden, die von den deutschmennonitischen Einwanderern gegründet wurden, gehen in ganz Brasilien ein. Mit wahrscheinlich einer (vorläufigen) Ausnahme hat sich die Gliederzahl in allen stark reduziert. Selbst wenn man ihre "brasilianischen" Glieder mitzählt.

      Ist das eine Folge dieses "einmaligen" Weges, von dem Klassen im Jahre 1995 sprach?

      Leider fehlt uns heute auch ein Forum, ein Raum, wo wir darüber sprechen könnten. Es gibt keinen Ort mehr, wo sich die Repräsentanten dieser Gruppe austauschen könnten. Bibel und Pflug war wohl der letzte Sammelpunkt.

      Ich werde nicht den Inhalt beider Bücher von Klassen wiedergeben. Nur die ersten Seiten. Heute lesen wir, wie es gewesen ist, als unsere Väter auf der Serra ankamen.

 

 

Vom Steppenbauern zum Urwaldsiedler

 

Einwanderungsland Brasilien

Lusobrasilianer und andere Einwanderer

 

     Die jüngste und weitaus größte Völkerwanderung der Menschheit ist die von Europa in die Neue Welt, das heißt nach Nord- und Südamerika. Dabei hatte Nordamerika den Vorrang. Doch Carlos Fouquet unterstreicht die Bedeutung Brasiliens, indem er es zu den acht Ländern zählt, die in den nächsten Jahrhunderten das Wohl und Wehe der Menschheit bestimmen werden, nicht zuletzt der starken Einwanderung wegen. (Die andern sieben sind die USA, Kanada, Rußland, China, Japan, Indien, Australien.)

    Vermutlich hat keiner der mennonitischen Flüchtlinge, die die Sowjetunion 1929 verließen, an Brasilien gedacht, und vermutlich war sich keiner der mennonitischen Einwanderer, die 1930 im Urwald Santa Catarinas ankamen, bewußt, in ein so zukunftsträchtiges Land einzuwandern, wie es Fouquet sieht.

    Doch diese Einschränkung gilt wohl nur für die Mennoniten, deren Sinnen und Trachten nach Nordamerika, vor allem nach Kanada stand; denn Brasilien gehörte durch das ganze 19. Jahrhundert und dann besonders auch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den ersten Einwanderungsländern der Welt, besonders auch für Deutsche.

    Es ist sogar eine merkwürdige Erscheinung, daß der Anteil der Lusobrasilianer an der Volksbildung dieses portugiesischen Staates relativ gering ist. Nach Hugo Grothe lebten in Brasilien 140 Jahre nach der Entdeckung nur etwa 100.000 bis 150.000 Portugiesen. Im Gegensatz zu Spanien vermochte das kleine Portugal, das damals knapp zwei Millionen Einwohner hatte, nicht größere Mengen siedelnder Menschen zu stellen. Fouquet wies 1973 auf die Merkwürdigkeit hin, daß nur ein Fünftel der Einwanderer in Brasilien, nämlich die Portugiesen, dem Land Sprache, Charakter und staatliche Form gegeben haben. Vier Fünftel sind Einwanderer anderer Herkunft.

    Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts begann, erst zögernd und dann stärker, die europäische Einwanderung, die dem heutigen brasilianischen Volk mit ein starkes Gepräge gegeben hat. Nach nicht sehr genauen Statistiken landeten in hundert Jahren - von 1851 bis 1950 - in brasilianischen Häfen 1.540.000 Italiener, 1.480.000 Portugiesen, 600.000 Spanier, 230.000 Deutsche, 190.000 Japaner und 760.000 Menschen verschiedener Herkunft.

     Nach Waibel überwiegt in den Südstaaten der Anteil der Deutschen. 1934 lebten in den Staaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná zusammen 845.000 Deutsche, 558.000 Italiener und 240.000 Slawen. Für Santa Catarina werden 235.000 Deutsche, 100.000 Italiener und 28.000 Slawen angegeben. Der Gesamtanteil der Bevölkerung europäischer Abstammung in den drei Südstaaten war 28,6%, in Santa Catarina allein 30%.

     Mit den Afrikanern, die ja eigentlich importiert wurden, haben rund 9 Millionen Einwanderer den Grundstock des brasilianischen Volkes gebildet, wobei der Anteil der Europäer drei Fünftel beträgt.

 

Die deutsche Einwanderung

     Als unter dem Druck der Situation in Deutschland in den ersten Tagen des Jahres 1930 die Entscheidung fiel, Mennoniten, die nicht nach Kanada durften, nach Brasilien zu bringen, gab es manche Bedenken. Auch Prof. B. H. Unruh hatte bei seiner beinah krampfhaften Suche nach einem Zielland Sorge, seine Leute in ein tropisches und romanisches Land zu schicken. Die verantwortlichen mennonitischen Führer machten sich Sorge um die Erhaltung der Eigenart, Sprache und Kultur dieser Gruppe, die in Rußland beinah 150 Jahre Bestand gehabt hatte.

    Da spielte es eine große Rolle, nachweisen zu können, daß Südbrasilien ein stark von der deutschen Einwanderung geprägtes Land sei und daß besonders die Hanseatische Kolonisationsgesellschaft die deutsche Kultur der Einwanderer sichere und pflege. Dr. Seelheim, der im Auftrag der deutschen Regierung auf die Beförderung der Flüchtlinge drängte, betonte Unruh gegenüber, daß von den 400 - 500.000 Deutschen in Brasilien allein in Santa Catarina 100.000 lebten und daß auf den Kolonien der HKG jahrzehntelang Deutsche in geschlossenen Siedlungen ansässig gemacht würden.

     Das deutsche Element in Brasilien schien sehr wichtig für die Erhaltung der Religion, Kultur und der Schulen, da waren sich die Mennoniten in Deutschland und Amerika mit der Reichsregierung einig.

     Obwohl die Deutschen auf der Einwanderungstabelle für Brasilien erst an vierter Stelle stehen, vor allem weit hinter den Italienern, ist ihr Einfluß besonders in den drei Südstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná von einem sehr stark prägenden Einfluß gewesen.

    Die Forscher verfolgen den Einfluß des deutschen Elements bis in die Zeit der Konquista, und da ist es Hans Staden aus Homburg in Hessen, der als Büchsenschütze und Kanonier auf portugiesischen Schiffen Reisen nach Brasilien mitmachte, hier manche Abenteuer, selbst als Gefangener der Indianer, erlebte und nach seiner Heimkehr, wie Schmidel, seine "Wahrhaftige Historia" schrieb und damit zu den ersten Geschichtsschreibern des Landes gehört.

     Als Stichdatum der deutschen Einwanderung in Brasilien gilt der heute noch von den Deutschen gefeierte 25. Juli 1824. Durch die Bemühungen des Kaisers Dom Pedro I. und besonders seiner Gemahlin österreichischer Herkunft Leopoldina trafen an diesem Tag in Hamburg angeworbene Einwanderer in Brasilien ein, in Rio vom Kaiserpaar selbst und in Porto Alegre vom Visconde de São Leopoldo begrüßt. Damit begann die Einwanderung in Rio Grande do Sul, die sich auch heute noch mit dem Namen der ersten Siedlung São Leopoldo aufs engste verbindet. Nach Rio Grande do Sul rückte auch Santa Catarina in das Interesse der deutschen Einwanderer.

    Als die ersten mennonitischen Einwanderer von Itajahy aus auf dem gleichnamigen Küstenfluß bis Blumenau fuhren, wie oben berichtet, zogen sie durch das gleiche Einfallstor und folgten dem gleichen Einwandererweg der ersten deutschen Siedler von Santa Catarina.

    Hier am Itajahy hatten sich im 19. Jahrhundert zwei Hauptzentren deutscher Kolonisation gebildet. Der Hamburger Kolonisationsverein gründete nach Übereinkunft mit dem Prinzen von Joinville um 1851 eine Siedlung, die dann den Namen Joinville erhielt. 1860 saßen hier bereits 3.000 Deutsche.

    Aus privater Initiative entstand am Itajahy 1850 auch das Unternehmen des Braunschweiger Arztes Dr. Blumenau. Aus der ländlichen Siedlung ist im Lauf der Jahrzehnte die moderne Stadt Blumenau mit stark deutschem Gepräge geworden.

     Von diesen beiden Zentren aus, die wegen ihrer niedrigen Lage ein stark ausgeprägtes Tropenklima haben, breitete sich die deutsche Kolonisation allmählich auf die höheren Ortslagen mit gemäßigterem Klima aus. Allerdings stellte sich hier die steile Serra do Mar den Siedlungsplänen als ein starkes Verkehrshindernis entgegen. Hier wurde dann mit Beginn des 20. Jahrhunderts die deutsche Ansiedlung vorangetrieben. Die Siedlungen Hansa-Humboldt, São Bento und Hansa-Hammonia mit vielen deutschen Ortsnamen wie Neu-Berlin, Neu-Stettin, Neu-Breslau (heute Presidente Getúlio) und anderen boten immer mehr deutschen Einwanderern Raum.

     Keinem andern der drei Südstaaten hat die europäische Einwanderung ein so starkes Gepräge gegeben wie gerade Santa Catarina. Die Regierung förderte hier bewußt den Versuch, ein leistungsfähiges Bauerntum einzupflanzen. Es kamen Ruthenen, Polen, Ungarn, Belgier, Irländer, Nordamerikaner und vor allem Italiener. Doch den Deutschen bleibt das Verdienst, in Santa Catarina die erfolgreichste und dauerhafteste Kolonisation durchgeführt zu haben.

    Karl Ilg schreibt von dem "deutschen Städtedreieck" Blumenau - Joinville - Brusque, das das Bild der Bevölkerung und Wirtschaft Santa Catarinas geprägt habe.

 

Mennoniten in Brasilien vor 1930

     Wenn im Laufe des Jahres 1930 Transporte von Mennoniten in Rio de Janeiro eintrafen, kam meist ein Mann zur Begrüßung und Hilfeleistung an Bord, dessen Name in mennonitischen Kreisen wohl kaum bekannt gewesen war: Frederick Arentz. Er kam aus Hamburg und wohnte mit seiner Familie schon dreißig Jahre als Geschäftsmann in Rio de Janeiro.

     Arentz war ein Mennonit, nicht nur dem Namen nach. Das Zeugnis stellte ihm Professor Harold S. Bender aus, der 1938 in seinem Haus gastliche Aufnahme fand, als er Brasilien und Paraguay im Interesse des MCC bereiste. Arentz lebe treu nach mennonitischen Grundsätzen, schrieb Bender in seinem Bericht. Seine Söhne habe er vom Wehrdienst befreien können und dafür auch bürgerliche Benachteiligung in Kauf genommen. Heinrich Martins aus Witmarsum war 1932 extra nach Rio gefahren, um sie zu taufen.

     Es gab also vor der mennonitischen Einwanderung von 1930 einen Mennoniten in Brasilien, und es gab noch mehr. Aus Paranaguá meldete sich 1931 ein Hermann Penner, der in den "Mennonitischen Blättern" über die Einwanderung gelesen hatte. Er stammte aus Danzig und betätigte sich schon sechs Jahre als Landwirt in der Gegend von Paranaguá. Ein Bruder von ihm wohnte in Curitiba. Penner zeigte Interesse, sich der Siedlung am Krauel anzuschließen, doch dann zerschlugen sich wohl die Verhandlungen (Briefe vom 2.8.31 und 29.9.31.).

     Doch es gibt noch mehr Hinweise auf mennonitische Spuren. Pfarrer F.W.Brepohl aus Ponta Grossa, der von dort aus die ehemaligen Wolgadeutschen betreute und auch an der mennonitischen Einwanderung sehr interessiert war, protestierte 1932 gegen eine Äußerung von H. L. aus Witmarsum im "Boten", daß die eben eingewanderten Mennoniten in Brasilien "das Erstgeburtsrecht hätten und es nicht für ein Linsengericht abgeben würden." Sie seien eben nicht die ersten Mennoniten in Brasilien, protestierte Brepohl.

     Dazu seine Erklärung: “Die ältesten Mennonitenhöfe sind im Staate Paraná... Hier sitzen in der zweiten Generation bereits die Familien Lichti und Blum (Schweizer Mennoniten) sowie Evi und Ewig in der ersten Generation (seit 1923), - Dück (Tiegenhofer - Danziger Mennonit) sowie Gerlinger und Rein aus dem Wolgagebiet seit 1879."

     In seinem Buch über die Wolgadeutschen in Brasilien führt Brepohl aus, daß in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Wolgadeutschen der eingeschränkten Freiheit in Rußland wegen nach Brasilien auswanderten, nicht viel gefehlt hätte, und ein großer Schub der "Altmennoniten" wäre unter ihrem Führer Abraham Loeppky nach Brasilien gekommen.

     Nur die Beschränkung der religiösen Freiheit (Wehrdienst) hätte ihn davon abgehalten.

     Über die gleichen "Altmennoniten" berichtet Brepohl dann noch an einer andern Stelle. Als diese Gruppe sich in Kanada 1919 wieder bedrängt fühlte, schickte sie eine Delegation von zehn Personen nach Südamerika, die zuerst in Brasilien Station machte, um hier nach Siedlungsmöglichkeiten zu suchen. "Sie bereiste Santa Catarina und Paraná und war von dem Hochlandkamp in Paraná begeistert. Sie waren fest entschlossen, mit ihren 30.000 Glaubensgenossen nach Paraná zu kommen."

      "Es handelte sich um in religiöser Beziehung besonders konservative und strenge Altmennoniten. Ihre Grundsätze waren Militärfreiheit, Freiheit der Sprache, Schulfreiheit, Religionsfreiheit und geschlossene Kolonisation, d.h. Ansiedlung in geschlossenen, rein mennonitischen Dörfern. Begeistert reisten sie nach Curitiba zu Verhandlungen mit der Regierung. Die großen, breitschulterigen und kräftigen Gestalten erregten überall Aufsehen. Die Verhandlungen in Curitiba scheinen sich leider zerschlagen zu haben. Näheres darüber wurde nicht bekannt." Brepohl berichtet auch, daß einer ihrer Führer in Curitiba "nach qualvollem Leiden an Darmverschlingung" starb.

      Diese Gruppe der Mennoniten, die durch die von Brepohl erwähnte Delegation vertreten wurde, ist dann 1921 von Kanada nach Mexiko ausgewandert. Über die Reise jener Delegation nach Südamerika berichtete 1970 der Älteste Isaak M. Dyck aus Cuauhtemoc in Mexiko. In seinem Buch ist zu erfahren, daß der in Curitiba Verstorbene Prediger Johann Wall war. Am 28. September 1919 ist er dort beerdigt worden.

      Die Delegation setzte ihre Reise dann nach Argentinien fort, fand aber auch hier nicht, was sie suchte. So wurde Südamerika damals aus dem Plan der Altkolonier in Manitoba gestrichen.

      Brepohl weiß sogar noch mehr, und seine Suche nach mennonitischen Spuren führt zurück in den Anfang des 17. Jahrhunderts. Die holländische "Westindische Compagnie" hatte das Gebiet von Recife-Pernambuco in Brasilien in Besitz genommen und es Neu-Holland genannt. Als dort im Januar 1637 der neuernannte Generalstatthalter Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen eintraf, befanden sich in seiner Mannschaft drei von ihm ausgesuchte landwirtschaftliche Fachberater: Abraham Esau, Isaak Kaufmann und David Spielmann. "Erschrecken Sie nicht, meine Herren", sagte der Generalstatthalter, als er seine Fachleute vorstellte, "es sind keine Juden. Sie gehören zu den Alttaufgesinnten und sind Landwirte aus religiöser Überzeugung." Nach Brepohls Darstellung handelte es sich um täuferische Flüchtlinge aus dem Berner Oberland, die bei ihren doopsgezinden Glaubensbrüdern in Holland Zuflucht gefunden hatten. Als das Projekt der Holländer in Brasilien zusammenbrach, verlor sich auch die Spur dieser ersten Mennoniten in Brasilien.

     Alle hier erwähnten mennonitischen Spuren in Brasilien haben aber auf die große Einwanderung von 1930 keinen nachweisbaren Einfluß gehabt. Doch Brepohl hat recht, es waren nicht die ersten Mennoniten in Brasilien.

 

Das südbrasilianische Bergland

Die Serra do Mar

 

     Den Flüchtlingen aus Rußland, die zum Teil aus den weiten Ebenen Sibiriens kamen, wurden in den Flüchtlingslagern Deutschlands Lichtbilder von Brasilien vorgeführt, um für das Siedlungsgebiet der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft zu werben. Leute, die sich dort für den Chaco von Paraguay entschieden, sagten später aus, daß die hohen Berge sie von dem Angebot in Brasilien abgeschreckt hätten.

    Tatsächlich schiebt sich gerade in Santa Catarina die Serra do Mar wie eine Mauer bis auf knapp 50 bis 80 Kilometer an die Küstenebene heran. Die Serra do Mar, die sich in den drei Südstaaten längs der Küste hinzieht, gliedert sich in Santa Catarina in zwei schwer zugängliche Gebirgsketten auf, die Serra do Mar und die Serra Geral. Den Zugang versperren außerdem zahlreiche Ausläufer dieser Ketten. Viele Bäche, Flüßchen und Flüsse rinnen von den Serras zum Meer, aber selbst die größten Wasseradern wie der Itajahy (250 km lang), der Tubarao (150 km) und der Itapocú (130 km) sind keine Wasserstraßen, die das Innere erschließen. Sie sind nur aufkurze Strecken im Unterlauf für kleinere Fahrzeuge schiffbar. Diese geographische Eigenart hat das Eindringen von Siedlern ins Innere dieses Staates lange Zeit verhindert und dann erschwert.

    Karl Ilg beschreibt diese siedlungsgeographische Situation wie folgt: "Während in jenem Bundesstaat (Rio Grande do Sul) die Serra über ihren allmählichen Abfall nach Süden von dieser Richtung aus ein stufenweises Eindringen ermöglichte, fällt in Santa Catarina die Serra do Mar beinah jäh zum Meer ab, sie konnte nur von dieser Richtung her bezwungen werden. Eine weitere Schwierigkeit war hier noch gegeben durch die Zerklüftung des Gebirges und mit dem nach Norden zunehmend dichten, weil immer mehr tropischen Urwald. In den kleinen Niederungen aber zwischen Serra und Meer herrschten neben zahllosen Insektenschwärmen Malaria, Gelbfieber und andere Krankheiten, gab es Schlangen- und Indianergefahr. Hier waren es die "Buger", die Schrecken und Not verbreiteten."

    Das Brasilianische Bergland ist ein sanft nach Westen geneigtes Tafelland. Die Wasserscheide liegt fast unmittelbar am Meer, so daß alle größeren Flüsse zum Paraná im Westen fließen. Nach Osten hin stürzen nur kleine Flüsse und Bäche oft mit romantisch schönen Wasserfällen zum Meer hinab und haben für ihren ruhigen Lauf nur die verhältnismäßig kurzen Täler und die schmale Küstenebene. Südbrasilien ist von Natur ein Waldland mit eingestreuten Grasfluren, den Campos.

    Santa Catarina zeichnet sich dadurch aus, daß die Serra do Mar durch heftige Erosion sehr stark zerklüftet ist, mit steilen Bergrücken und tiefen Tälern, die im ganzen in westöstlicher Richtung quer zur Küste verlaufen. Diese zum Teil engen Täler haben sich mit Sedimenten aufgefüllt, die für den Urwald den besten Boden abgeben.

     Während die Küstenebene nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt, haben die Flußtäler eine nach dem Innern schnell zunehmende Höhenlage. Nach einer Tabelle der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft liegt Hammonia 154 Meter über dem Meeresspiegel, Neu-Bremen 252 Meter, das Dona Emma-Tal und der Alto Rio Krauel 400 Meter. Die Plateaus auf der Serra liegen 600 bis 800 Meter hoch.

     Das Klima in der Serra do Mar wird von der Breitenlage, der Meeresnähe und der Höhenlage der jeweiligen Orte bestimmt. Der Sommer ist auch in größeren Höhenlagen tropisch mit feuchter Meeresluft und viel Regen. Der Winter steht unter dem abwechselnden Einfluß von Zyklon und Antizyklon mit oft niederen Temperaturgraden und Feuchtigkeit. Insgesamt kann das Klima Südbrasiliens als subtropisch bezeichnet werden mit größeren thermischen Gegensätzen zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter. Besonders die höheren Lagen in der Serra und auf den Plateaus sind für die Leistungsfähigkeit des Menschen günstig, was vor allem auf die Einwanderung von Europäern einen großen Einfluß hatte.

     Die geographische Lage haben auch die mennonitischen Einwanderer 1930 sehr aufmerksam wahrgenommen. Hans Klassen schrieb einen Aufsatz für die Zeitschrift der Mennoniten unter der Überschrift "Lage und Anordnung unserer Siedlung", wo er den Weg der Einwanderer aufzeichnet. Der Flußdampfer brachte die Urwaldsiedler auf dem Itajahy bis Blumenau. "Vom Fluß Itajahy wäre zu sagen, daß er in seinem Lauf eine Ausnahme bildet. Er sammelt seinen Vorrat in zwei geräumigen Becken jenseits der Wasserscheide und schlüpft dann durch die einzige Pforte des Küstengebirges hindurch, wo das Städtchen Hammonia als Torhüter steht. Von Hammonia stürzt sich der Fluß die 80 Kilometer bis Blumenau in ausgelassener Freude dauernd über Stromschnellen. Auf dieser Strecke ist dann leider auch keine Schiffahrt möglich. Den Verkehr regelt die hanseatische Bahn, sich stramm an den Fluß haltend. Von Hammonia fährt man noch 60 Kilometer mit dem Wagen oder Auto zu unserer Ansiedlung den Fluß Hercilio hinauf und passiert dabei Neu-Berlin, Neu-Stettin, Neu-Bremen und Neu-Breslau. Bei Neu-Bremen verlassen wir den Hercilio und biegen in das Kraueltal... Hinter Neu-Breslau kommen wir durch keine geschlossene Niederlassung mehr, sondern treffen nur einzelne Kolonien an..."

     "Dann hieß es: Marsch in den Urwald!" schreibt Peter Pauls, sen. in einem Erinnerungsbericht. "Mit Hacke, Axt und Pike gings hinein in den Dschungel, einem schmalen Waldweg folgend"."

 

Der Urwald

      Die Berge und der Urwald in Santa Catarina erregten großes Erschrecken bei den Siedlern. Man war in der Tat auf dem Fluchtweg aus der Sowjetunion "durch die gerade offen stehende Tür" gerannt, ohne wählerisch sein zu können, wie es Benjamin H. Unruh in der ausweglosen Lage empfohlen hatte, und diese Tür führte direkt in den dichtesten Urwald Brasiliens.

     In Auhagen auf dem Stoltz-Plateau nahm sich eine junge Frau, Mutter von mehreren Kindern, in einem Schwermutsanfall das Leben. Prediger und Siedlungsleiter Peter Klassen schrieb an Benjamin H. Unruh: "Frau Dück wurde mit dem Urwald nicht fertig. Ihre Seele hatte sich verwirrt" (24.10.33).

     Peter Pauls sen., der als Jugendlicher auf dem Siedlungsland ankam, erinnerte sich viele Jahre später in einer Jubiläumsansprache, daß die Einwanderer trotz der aufklärenden Lichtbilder in Deutschland die Enttäuschung kaum überwinden konnten. "Da, wo ihr hinkommt, ist es eben wie eine Tischplatte," habe Professor Unruh sie getröstet. "Und nun stieß der Blick ringsum aufunübersteigbare Felswände, steile Abhänge, tiefe Schluchten, und er suchte vergeblich nach ebenem Land. Angesichts solcher Enttäuschung erfaßte Mutlosigkeit und tiefe Niedergeschlagenheit manchen Familienvater. Ein junger Mann weigerte sich entschieden, in den Urwald zu gehen. Drei Tage brauchte er, um den Schock zu überwinden . .. Ein Familienvater, als harter Charakter bekannt, wurde vom Nachbarn überrascht, wie er müßig, mit der Axt in der Hand, an einer über einen Meter dicken Pinie lehnte und weinte. Verzweifelt fragte er immer wieder: 'Wie soll ich meine Familie hier ernähren?"" (7.6.81).

      "Welch ein Schreck, als wir den Urwald sahen", schrieb Franz Enns in seinem schon einmal zitierten Bericht. "Meterdicke Bäume, die Kronen so ineinander verwachsen, daß die Affen gemütlich oben herumspazieren konnten, das Unterholz mit Bambusrohr so dicht, daß man keine fünf Meter hineinschauen konnte und das Eindringen ohne Fäustel und Buschmesser unmöglich war."

      Doch Zweckdenken allein bot dem Ankömmling die einzige Überlebenschance im Urwald, und deshalb konnten die Schönheit der Serra und die Pracht des Urwaldes ihn nicht beeindrucken. Die einzige Frage war, wie die Natur zu überwinden sei, um hier den Lebensunterhalt zu schaffen.

      Doch auch Zweckdenken und der Nützlichkeitsstandpunkt führen schließlich zur Beziehung mit der neuen Umgebung. Der Urwald war nicht nur der Feind, er bot schließlich auch die Möglichkeit für den Lebensunterhalt, das Material für den ersten Hüttenbau und viele Nutzhölzer. H. Neufeld verfaßte schon bald nach der Ansiedlung einen schriftlichen Überblick über die vorkommenden Holzarten, wobei manche Bäume deutsche Namen erhielten, weil man die einheimischen noch nicht kannte.

      Der Bericht für wen er damals geschrieben wurde, geht aus dem undatierten Schriftstück nicht hervorstimmt aber weitgehend überein mit einem wissenschaftlichen Überblick über die Vegetation des gleichen Gebietes von Leo Waibel. Neben der Araukarie, dem Charakterbaum Südbrasiliens und dem Yerba Mate reiht er die vielen Edelhölzer des Urwaldes auf, Peroba, Cedro, Jacarandá, Canela, Canela, Sassafraz und die vielen Palmenarten.

      Der Lehrer David Enns schickte 1932 lange Berichte an die kanadisch-mennonitische Zeitschrift "Der Bote", in denen er ausführlich und bereits liebevoll die Schönheiten des Urwaldes, der Pflanzen- und Tierwelt beschrieb. Der Lehrer machte Spaziergänge und mit seinen Schülern Ausflüge in den Urwald, und die feindliche Umgebung war schon zur Heimat geworden.

     So empfand es auch Prediger J. Hübert schon 1932, als er von einer Besuchsreise zu den Glaubensbrüdern im Chaco von Paraguay zurückkehrte. "Ich fühlte mich heimisch, als ich wieder die brasilianische Küste mit den bewaldeten Bergen sah," erklärte er in seinem Bericht nach der Heimkehr.

     In der Erinnerung wurde dann alles verklärt und schön. Peter Pauls jun. beschreibt seine Kindheit im Urwald: "Wir Kinder wuchsen am Krauel inmitten einer unberührten Natur auf. Da war der fischreiche Krauelfluß, der sich aus vielen frischen Urwaldquellen bildete. Er war unser natürliches Schwimmbecken. Und dann der dunkle Wald! Wie rauschte das Blätterwerk, wenn ein Windstoß durch die Baumkronen fuhr! Beim Sturm knarrten die Äste, Bäume wurden entwurzelt, und krachend stürzten sie zu Boden oder verfingen sich in den Schlingpflanzen. - Da war die bunte Vogelwelt. Der Tucano - welch ein Prachtvogel!... Aber auch eine reiche Tierwelt gab es am Krauel: Tapire, Rehe, Pacas, Hasen, Wildschweine, Gürteltiere und manches Kleingetier..."

     Doch für den Einwanderer hatten die Landschaft und die Natur wenig Romantisches. Sie stellten zunächst nur ungeheure Anforderungen. Im Urwald und aus dem Urwald mußte der Siedler seine Existenz sozusagen mit bloßen Händen schaffen, mit der Axt den Wald fällen, mit der Hacke die Saat in die Erde bringen, sich aus dem Material, das der Urwald lieferte, eine Hütte bauen.

     Für die Einwanderer begann im Urwald Santa Catarinas ein Kampf auf Leben und Tod.

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Fortsetzung folgt​​​

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- Lehrer Heinrich Heese (1787-1868)​ -Die Widerwärtigkeiten eines bedeutenden Lehrers unter den Mennoniten Russlands

-Als der Weltkrieg zu Ende ging, welche Nachrichten unsere Eltern bewegten 

Der "Stundismus" - Eine evangelische (rein russische) Erweckung zur Zeit der Mennoniten in Russland                                                               

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